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Leuenberger Moritz · Bundesrat · 2002-03-11

Leuenberger Moritz · Bundesrat · Zürich · 2002-03-11

Wortprotokoll

Es wäre für den Bedienungsablauf, für einen optimalen Service public, in der Tat von Nachteil, wenn die Kunden vor lauter angebotenen Produkten nicht mehr zum Hauptschalter vordringen könnten. Von daher ist es der Post ein grosses Anliegen, ihr erweitertes Angebot in einer Art und Weise anzubieten, die das Grundangebot - Ein- und Auszahlungen, Abgeben von Briefen, Verkaufen von Briefmarken - nicht entscheidend behindert. Wir sollten uns aber von der Auffassung lösen, dass die Post nur gerade im klassischen Sinne darin besteht, eine Schlange von Wartenden zu produzieren, deren "Bestandteile" nur gerade den Kauf von Briefmarken, die Abgabe von Briefen oder das Vorzeigen von Abholungseinladungen tätigen dürfen.

Ich habe schon zu Zeiten, als die Post noch Zeitungen verkaufte, immer wieder empörte Zuschriften von Leuten erhalten, die sich darüber aufregten, dass z. B. der "Blick"-Aushang mit einem obszönen Titel in der Post aufgehängt war. Interessanterweise haben sich diese Leute überhaupt nicht darüber aufgeregt, dass derselbe Aushang in der ganzen Schweiz an jedem Kiosk hing. Dass dieser indes in der Post hing, der sie eine gewisse ethisch geschärfte moralische Reinheit zuerkennen wollten, das hat sie aufgeregt.

Das hat dann eigentlich auch dazu geführt, dass dieses Geschäft, der Verkauf von Zeitungen, nicht gross rentiert hat. Im Grossen und Ganzen wird es jetzt ja wieder abgebaut. Aber die Produkte, die jetzt angeboten werden, sollen Produkte sein, die mit dem Postverkehr einen engen Zusammenhang haben, z. B. Couverts oder Briefpapier, damit man noch schnell etwas schreiben kann. Ich finde, es ist den Versuch wert, dass die Post dies macht. Wenn alteingesessene Papeterien durch dieses Angebot wirklich konkurrenziert und in ihrer Existenz bedroht würden, dann mangelte es ihnen ihrerseits an der notwendigen Flexibilität. Sie könnten ja z. B. schönes Briefpapier verkaufen, bemaltes Briefpapier, farbiges Briefpapier oder was eine Papeterie sonst noch alles anbieten kann. Die Post wird wahrscheinlich nicht diese ästhetische, kreative Ader haben. Ich befürchte, dort werden weisses Papier - vielleicht liniert, vielleicht "gehäuselt" - und bloss Kugelschreiber aus Plastik angeboten. Aber es liegt an der unternehmerischen Intelligenz und Innovation der Privatwirtschaft, sich dieser Herausforderung durch die Post zu stellen. Es ist einer privaten Papeterie umgekehrt nicht verboten, ihrerseits z. B. Briefmarken zu verkaufen, vielleicht andere Briefmarken, die anders gezähnt sind. Hier kann der befruchtende Geist des Wettbewerbes das Seine tun, damit wir alle glücklich werden.

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