Sommaruga Simonetta · Bundesrat · 2016-03-14
Sommaruga Simonetta · Bundesrat · Bern · 2016-03-14
Wortprotokoll
Vom 1. Januar 2006 bis zum 3. März 2016 haben 14 035 Frauen und 22 869 Männer aus Eritrea in der Schweiz um Asyl ersucht. In Eritrea sind sowohl Männer als auch Frauen zwischen dem achtzehnten und dem vierzigsten Jahr dienstpflichtig und gehören bis zu ihrem fünfzigsten Lebensjahr der Reservearmee an. Bestimmte Personen wie Behinderte, Blinde oder psychisch Kranke können vom Dienst befreit werden. Faktisch werden normalerweise auch verheiratete Frauen, Frauen mit Kindern, Schwangere und muslimische Frauen aus konservativen, ländlichen Gegenden vom militärischen Teil des Nationaldienstes ausgenommen. Dies scheint ein wesentlicher Grund dafür zu sein, dass in der Schweiz mehr Asylgesuche von eritreischen Männern als von eritreischen Frauen zu verzeichnen sind.
Die wichtigsten Zielländer von eritreischen Asylsuchenden sind Deutschland, Schweden, die Schweiz und die Niederlande. Obwohl Österreich eritreische Staatsbürger in der Regel als Flüchtlinge anerkennt, ersuchen nur wenige um Asyl in diesem Land. Das SEM führt dies einerseits darauf zurück, dass Österreich im Gegensatz zu Deutschland, Schweden und der Schweiz keine eritreische Diaspora hat. Andererseits gelangen Eritreer zum grossen Teil via Libyen und Italien nach Europa. Personen, die auf dieser Route reisen, stellen nur selten ein Asylgesuch in Österreich. Hingegen verzeichnet Österreich im Vergleich zur Schweiz deutlich mehr Asylgesuche von Personen, die über die sogenannte Balkanroute nach Europa gelangen. Ich möchte Ihnen das mit den folgenden Zahlen illustrieren: Bis Ende November 2015 stellten in Österreich 23 510 Syrer, 22 165 Afghanen und 12 764 Iraker ein Asylgesuch. In der Schweiz ersuchten im ganzen Jahr 2015 nur 4745 Syrer, 7831 Afghanen und 2388 Iraker um Asyl. [PAGE 338]