Munz Martina · Nationalrat · 2016-03-17
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2016-03-17
Wortprotokoll
Setzen Sie dieser nutzlosen Stromvernichtung ein Ende! Verschwendung von Ressourcen ist kein Wirtschaftsmodell! Jede dritte Kilowattstunde verpufft, ohne genutzt zu werden. Die günstigste Kilowattstunde ist immer noch die eingesparte: Sie verursacht keine Emissionen, keinen Atommüll und keine Hochspannungsleitungen quer durch das Land; es ist auch kein Ablasshandel mit CO2-Zertifikaten nötig, aber sie erhöht die Versorgungssicherheit. Setzen wir also dieser Stromverschwendung ein Ende!
Zwischen 1969 und 1984 wurden die fünf AKW in der Schweiz gebaut, und damit wurde eine gewaltige Überproduktion an Strom bereitgestellt. In der Folge wurde der Stromabsatz mit billigem Nachtstrom zu Spottpreisen künstlich angeheizt. Elektroheizungen und Elektroboiler feierten damals Hochkonjunktur. Diese Geräte sind noch bis heute in Betrieb und verheizen höchst ineffizient Strom zu Wärme. Noch heute sind Elektroheizungen für einen Fünftel des Stromverbrauchs verantwortlich. Allein durch bessere Geräte, effizientere Motoren, LED-Beleuchtung und Ersatz von Elektroheizungen können bis in zwanzig Jahren je nach Berechnungsart 19 bis 26 Terawattstunden Strom pro Jahr eingespart werden. Die fünf AKW haben im Jahr 2014 genau 26,4 Terawattstunden produziert. Der ganze Atomstrom kann also weitgehend einzig durch Effizienzmassnahmen ersetzt werden. Spätestens jetzt muss doch bei jedem und jeder von uns die Sparlampe aufleuchten!
Wir brauchen endlich nachhaltige Investitionen in neue Technologien, Infrastruktur und Gebäudehüllen. Stromeffizienz heisst Wertschöpfung im eigenen Land. Gewerbe, Industrie, Forschung und Technik profitieren davon. Die Schweizer Industrie könnte sich in diesem Zukunftsmarkt eine Leaderposition erarbeiten. Fast jeder investierte Stromeffizienz-Franken bleibt in der Schweiz und macht uns konkurrenz- und wettbewerbsfähiger. Fortschrittliche Unternehmen stehen deshalb hinter dieser Stromeffizienz-Initiative, denn diese Technologie ist Zukunft.
Stromsparen ist kein Eingriff in die Privatwirtschaft. Kalifornien macht es uns vor mit dem Decoupling-Modell. Auch das sind die USA: eine freie Marktwirtschaft mit [PAGE 508] Stromeffizienzzielen! Bei uns wurde dieses Modell aus der Energiestrategie 2050 gekippt. Es hätte die Energieversorgungsunternehmen in die Pflicht genommen. Schade! Nur schon aus diesem Grund ist diese Initiative nötig. Energieeffizienzmassnahmen sind Massnahmen zur Versorgungssicherheit und setzen der subventionierten Stromverschleuderung der AKW ein Ende.
Ich bitte Sie, empfehlen Sie die Stromeffizienz-Initiative zur Annahme, und gewichten Sie bei der Energiestrategie 2050 die Energieeffizienz hoch, damit diese Initiative zurückgezogen werden kann!