Weibel Thomas · Nationalrat · 2016-03-17
Weibel Thomas · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2016-03-17
Wortprotokoll
Die wichtigste Ursache für die Stromverschwendung sind technisch veraltete Geräte. Ob Kühlschränke, ob Elektrospeicherheizungen, ob Halogenspots, ob schlechte Pfannen mit krummen Böden, ob Rechenzentren oder Produktionsanlagen - in den meisten Haushalten und Unternehmen sind Geräte zu finden, die ein Mehrfaches dessen an Strom brauchen, was Modelle mit bester aktueller Technik benötigen. Schätzungen gehen davon aus, dass in der Schweiz 40 Prozent des Stroms verschwendet werden. Ein grosser Teil davon könnte eingespart werden, ohne dass in irgendeiner Art auf den Komfort einer modernen Gesellschaft verzichtet werden müsste.
Die Volksinitiative will, dass wir Strom effizienter und damit auch überlegter nutzen. 40 Prozent - diese Zahl ist erschreckend hoch. Aber weshalb bin ich nicht erstaunt? Tatsache ist leider, dass die Politik bisher die Rahmenbedingungen so gesetzt hat, dass maximaler Stromverbrauch belohnt wird. In der Folge wird heute unnötig viel Strom konsumiert. Daher brauchen wir nun andere Rahmenbedingungen, um der Stromeffizienz zum Durchbruch zu verhelfen.
Es ist unbestritten: Gesparter Strom ist die wirtschaftlichste und umweltfreundlichste Energiequelle, die man sich vorstellen kann. Die Stromeffizienz hat grosses Potenzial. Dazu gibt es eindrückliche Beispiele. Ich greife gerne auf meine eigene Erfahrung zurück: Mit der Sanierung unseres Einfamilienhauses haben wir den Stromverbrauch inklusive Heizenergie um 86 Prozent gesenkt. Mit der Fotovoltaikanlage ist das Haus heute ein Plusenergiehaus. Sicher trägt auch die bessere Gebäudeisolation dazu bei, dass wir nur noch 14 Prozent der früheren Strommenge verbrauchen. Die Isolation wurde aber massvoll ausgeführt. Sie erfüllt teilweise nicht einmal die Anforderungen des Gebäudeprogramms. Von zentraler Bedeutung ist jedoch die Tatsache, dass Wärmepumpen, Waschmaschinen, Küchengeräte, Beleuchtungsgeräte usw. alles Geräte mit aktueller Technologie und mit wenig Energieverbrauch sind.
Es gibt viele Gründe, weshalb wir mehr Stromeffizienz brauchen: weil heute 40 Prozent des Stroms ungenutzt verschwendet werden, weil Stromeffizienz viel günstiger ist als der Bau neuer Kraftwerke, weil neue Kraftwerke die Umwelt belasten - dies im Unterschied zur Stromeffizienz -, weil wir mit einer auf Effizienz ausgerichteten Stromversorgung auch bezüglich Versorgungssicherheit am besten fahren, weil weniger Stromverbrauch mehr Unabhängigkeit bedeutet, weil die Stromeffizienz Arbeitsplätze im Inland schafft, weil die Stromeffizienz der Schlüssel für eine bezahlbare Energiewende ist und weil wir die Weichen für unseren Stromverbrauch so stellen sollten, dass kommende Generationen nicht zu kurz kommen.
Sicher hat die Initiative den Makel, dass sie sich auf die Stromeffizienz beschränkt, also nur auf den Energieträger Strom abzielt. Besser wäre es selbstverständlich, alle Energieträger einzubeziehen und eine umfassende Energieeffizienz zu fordern. Über die Energieeffizienz haben wir im ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 debattiert. Dort werden auf Gesetzesstufe die Anliegen der Initiative inhaltlich weitgehend erfüllt. Leider haben Sie keine Zwischenziele und keine konkreten Massnahmen beschlossen. Ich setze mich für eine sichere Stromversorgung in der Zukunft ein und bin froh, dass mit der Initiative der Druck auf die Beratung der Energiestrategie aufrechterhalten worden ist. Selbstverständlich habe ich Verständnis dafür, wenn das Initiativkomitee sich den Rückzug der Initiative überlegt.
Gerade deshalb bitte ich Sie, die Volksinitiative zur Annahme zu empfehlen.