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Burkhalter Didier · Bundesrat · 2016-06-02

Burkhalter Didier · Bundesrat · Neuenburg · 2016-06-02

Wortprotokoll

Sie gehen nur von den Proportionen aus. Dann sollte man das in der Kommission nochmals diskutieren. Wenn wir die Zahlen nehmen, sehen wir, dass es einen Fortschritt gegeben hat. Das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt: Bei Afrika muss man ein bisschen aufpassen. Es ist eine sehr westliche Orientierung, wenn man sagt, dass Afrika etwas ist, das einheitlich ist. So einheitlich ist Afrika nicht. Es gibt grosse Unterschiede zwischen den Ländern.

Ich war z. B. vor einigen Monaten in Burkina Faso und Nigeria. Burkina Faso und Nigeria liegen nahe beieinander. Aber die Situation ist total verschieden. Burkina Faso ist ein ganz armes Land, aber es gibt eigentlich eine sehr gute "resilience" der Zivilgesellschaft, z. B. gegenüber dem Terrorismus. Der kommt von Norden, von Mali; das hat sogar auch die Schweiz betroffen am Anfang des Jahres. Aber in Burkina Faso ist die Gesellschaft sehr stark und hat sehr gut reagiert, auch dann, als es politische Spannungen gab. Das ist zum grossen Teil nicht messbar in Schweizerfranken oder in Dollars. Aber es ist auch ein Ergebnis der langfristigen Arbeit in den Programmen zur Unterstützung der Stärkung der Zivilgesellschaft.

Es ist ein ganz armes Land, und es gibt keine Flüchtlinge; es kommen keine Flüchtlinge aus Burkina Faso. Dort habe ich Leute besucht, auch ganz junge. Die haben die Schule dank der Schweiz besucht. Was haben sie mir gesagt? Sie haben gesagt: Wir wollen jetzt aus eigener Kraft unsere Unternehmen schaffen. Es ist wirklich so - viel mehr als in der Schweiz. Sie machen das und sagen nur: Das Problem ist das Wasser. Sie haben zu wenig Wasser. Da könnte man noch etwas mehr helfen - auch wenn Sie dann wahrscheinlich noch etwas gegen mich sagen könnten. Dann hätte man die letzte Anstrengung gemacht.

Es wäre falsch zu sagen, Afrika sei bankrott. Es kommen sicher einige Wirtschafter, die das sagen. Ich bin auch Wirtschafter. Aber ich weiss, wie es ist, man kann alles sagen; es ist fast noch schlimmer als bei den Juristen. Aber man muss aufpassen. Man muss die Menschen treffen und schauen, wie sie kämpfen. Dann kann man zusammen mit den Menschen - nicht nur wir allein als "Kolonialisten" - die besten Programme finden.

Es gibt auch andere Länder wie Ghana zum Beispiel, die wirklich sehr viele Fortschritte gemacht haben. Jetzt ist es in Ghana nur noch eine Frage der wirtschaftlichen Kooperation. Aber es gibt noch viel zu tun; das geht nicht in einigen Jahren.

Nigeria ist ein Land mit vielen Problemen. Aber es ist ein Land, das unglaublich stark sein kann. Allein die Stadt Lagos schafft etwa 3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) von ganz Afrika. Aber ich glaube, in diesem Land hat es ein demografisches Wachstum von etwa 3 Prozent pro Jahr. Wie soll man da genügend Arbeitsstellen für alle schaffen?

Die Herausforderungen sind riesig. Da hat man von der Philosophie her zwei Möglichkeiten. Man kann einfach sitzen bleiben und nichts machen. Das mache ich nicht, denn ich habe Probleme mit meinem Bein, und man hat mir gesagt, ich dürfe nicht zu lange sitzen. Also bleibe ich aufrecht. Wir [PAGE 801] Schweizer bleiben dort und gehen nicht weg, weil wir denken, dass das auf Dauer gut ist für diese Länder. Dafür haben wir viele Beispiele, und auf Dauer ist es auch für uns gut, denn Afrika ist nicht so weit entfernt, und die Herausforderungen werden noch grösser.

In einem Punkt haben Sie Recht: Es braucht mehr wirtschaftliche Aktivitäten. Es braucht von den Privaten mehr Glauben an die Zukunft von Afrika. Das habe ich mit mehreren meiner Kollegen diskutiert, denn wir wünschten uns jetzt Arbeitsstellen in unseren grossen Firmen, die zum Beispiel in Nigeria oder in anderen afrikanischen Ländern sind, um den gewalttätigen Extremismus zu reduzieren. Da sagen viele meiner Kollegen: Ja, das ist gut, das machen wir! Wir können in Lagos in privaten Firmen aber nicht so viele Arbeitsstellen schaffen, wie nötig wären. Das schaffen wir nicht. Das ist, muss ich sagen, wieder dasselbe: Entweder machen wir nichts, oder wir machen etwas.

Ich glaube wirklich, wir machen etwas. Es wäre gut, wenn wir etwas machen - manchmal auch mit Ihnen!