AB 199967
Steiert Jean-François · Nationalrat · Freiburg · Sozialdemokratische Fraktion · 2016-06-07
Wortprotokoll
Die Kommission hat den Antrag von Frau Quadranti mit 17 zu 8 Stimmen abgelehnt, nachdem der Ständerat einen gleichlautenden Antrag bereits mit 20 zu 18 Stimmen abgelehnt hatte. Die Mehrheit der Kommission ist der Meinung, dass es verschiedene Gründe geben kann, die im Sinne der Antragsteller sprechen, aber dass im Moment noch kein Regelungsbedarf vorliegt. Ein Teil der Mehrheit teilt weitgehend die Anliegen der Antragsteller, ist aber der Meinung, dass es bei der relativ geringen Anzahl von Ausgebildeten in diesem Bereich im Moment zu früh ist, um auf eidgenössischer nationaler Ebene Regelungen zu treffen. Ein anderer Teil der Mehrheit ist der Überzeugung, dass dadurch zusätzliche Kosten entstehen könnten, insbesondere über Lohnansprüche, die durch die höhere Ausbildungsstufe entstehen könnten. Dieser Teil der Mehrheit spricht von Verakademisierung und damit auch von unnötigen zusätzlichen Regelungen, die negative Effekte auf das Gesundheitswesen haben könnten.
Die Minderheit ist der Meinung, es sei zwar tatsächlich möglich, dass zusätzliche Kosten im Bereich der masterisierten Pflegenden entstehen, dass aber das Ganze etwas systematischer angeschaut werden sollte. Sie ist der Auffassung, dass die zusätzlichen Kosten über Leistungen, die von masterisierten Pflegenden erbracht werden, mehr als kompensiert werden, nämlich dann, wenn diese Leistungen nicht von deutlich höher bezahlten Ärzten geleistet werden. Die Praxis wird zeigen, wer Recht hat. Es gibt im Moment in der Schweiz gute Beispiele in beide Richtungen, die man beobachten kann.
Die Minderheit ist in dem Sinne der Meinung, man solle auch den Begriff der Akademisierung etwas differenzierter behandeln. Es geht letztlich nicht um die Frage "Akademisierung oder nicht?", sondern darum, wie viel praktische Leistungen wir in dem Beruf der Pflegenden zuschreiben wollen. Es gibt Meinungen, wonach die Bachelorstufe reicht, andere Stimmen meinen - das betrifft im Übrigen auch verschiedene Fachhochschulen in der Schweiz -, dass es mehr praktische Ausbildungen braucht. Es geht nicht um Theorie, es geht um Praxis, aber diese wird länger dauern, weil neue Ansprüche an die masterisierten Pflegenden entstehen.
Noch eine kleine Korrektur: Kollegin Herzog hat gesagt, Masterabschlüsse gehörten an die Universitäten. Das ist nicht ganz praxiskonform. Wir haben heute bereits über hundert Masterstudiengänge, die im Bereich der Fachhochschulen stattfinden. Das Argument, man solle Masterabschlüsse deshalb nicht an Fachhochschulen anbieten, weil sie grundsätzlich an Universitäten gehörten, war tatsächlich vor zehn oder fünfzehn Jahren mehrheitlich die Meinung, sowohl im Rat wie in den Kantonen. Die Praxis hat gezeigt, dass es in eine total andere Richtung geht.