Fricker Jonas · Nationalrat · 2016-06-09
Fricker Jonas · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2016-06-09
Wortprotokoll
Mein Minderheitsantrag II will eine kleine, aber effektive Erhöhung des Zahlungsrahmens der Vorlage 7 um 7 Millionen Franken, und zwar explizit für den Verbund der Akademien der Wissenschaften Schweiz. Diese umfassen das grösste sowie aufgrund des Milizsystems kostengünstigste Netzwerk, bestehend aus schätzungsweise 100 000 Personen. Sie sind in rund 160 Fachgesellschaften, 100 ständigen Kommissionen sowie 29 kantonalen Gesellschaften organisiert.
Obwohl sie als Institutionen der Forschungsförderung das zentrale Netzwerk darstellen, welches alle Akteure auf einer unabhängigen wissenschaftlichen Plattform verknüpft, verzeichneten die Akademien der Wissenschaften Schweiz in den vergangenen Jahren ein unterdurchschnittliches Wachstum ihres Finanzvolumens. Die Akademien bilden das Forschungsförderungsorgan für fünf Punkte: die Früherkennung und Expertise gesellschaftlich relevanter Themen in Bildung, Forschung und Innovation; die Koordination von [PAGE 973] anspruchsvollen Projekten; die Vernetzung verschiedener Akteure in Wissenschaft und Gesellschaft; den Einsatz für das Bewusstsein und die Wahrnehmung ethisch begründeter Verantwortung; und den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses. Es sind also ganz wesentliche Aufgaben.
Die Akademien sind der grösste Träger von geisteswissenschaftlichen Datenbanken in der Schweiz. Die Reduktion des beantragten Kredites für das Daten- und Dienstleistungszentrum für die Geisteswissenschaften um 50 Prozent gefährdet dessen ordentlichen Betrieb ab 2017. Dies führt dazu, dass digitale Editionen und Forschungsdaten nicht wie geplant zielgerichtet verknüpft und zukunftsfähig archiviert werden können, was zu einem Verlust von Arbeit und Investitionen von Generationen von Forschern führt. Dies betrifft die digitale Reproduktion von historischen Handschriften genauso wie qualitative und quantitative Forschungsergebnisse der letzten zwanzig Jahre. Es besteht das Risiko, dass die Forschung in der Schweiz den Anschluss an die "digital humanities" verliert. Zahlreiche Disziplinen, Hochschulen und Forschungsstätten würden Folgekosten tragen, welche weit höher ausfallen würden als die bundesseitig vermeintlich erzielten Einsparungen. Ungünstig auswirken würden sich die finanziellen Abstriche auch auf die Verbreitung der Forschungsergebnisse im Bereich Energie und Ressourcen sowie auf die Planung von Investitionen in Forschungsinfrastrukturen von übergeordneter Bedeutung, insbesondere in den Bereichen Astronomie, Physik und Biologie.
Ebenfalls unter Druck geraten würden die regionalen Aktivitäten von naturforschenden Gesellschaften. Dies trifft vor allem auch die Bevölkerung in nichtuniversitären Kantonen. Die finanzielle Verknappung würde auch die Aussenstellen von Science et Cité in der Romandie und im Tessin gefährden. Stark reduziert werden müssten schliesslich die Verbreitung und die Förderung von technischen Lösungen für eine alternde Bevölkerung.
Die wirklich nur kleine Erhöhung von 7 Millionen Franken entspricht 1,6 Promille des Zahlungsrahmens und bringt, dank der Vervielfachung durch die vielen Freiwilligen und das Miliznetzwerk der Akademien der Wissenschaften Schweiz, ein Mehrfaches an Wirkung.
Ich bitte Sie, meiner Minderheit zuzustimmen.