Humbel Ruth · Nationalrat · 2016-06-16
Humbel Ruth · Nationalrat · Aargau · CVP-Fraktion · 2016-06-16
Wortprotokoll
Mit meinem Postulat verlange ich vom Bundesrat, dass er aufzeigt, wie Daten aus verschiedenen krankheitsspezifischen Registern oder medizinischen Studien für eine verbesserte Auswertbarkeit miteinander verknüpft werden können. Dabei müssen insbesondere folgende Aspekte sichergestellt werden: erstens die Vergleichbarkeit der Daten, zweitens eine klare Zuordnung zur gleichen Person und drittens die Wahrung des Datenschutzes.
Weil ich die Argumente des Bekämpfers nicht kenne und weil ich auch nicht verstehen kann, wie man eine bessere Nutzung von Gesundheitsdaten bekämpfen kann, möchte ich betonen, wie wichtig es für eine sinnvolle Versorgungsforschung ist, dass Daten verknüpft und genutzt werden können.
Eine wirkungsvolle Versorgungsforschung braucht es im Interesse einer optimalen Behandlung von Patientinnen und Patienten, aber auch im Interesse eines sinnvollen Ressourceneinsatzes, damit wir nicht Sozialversicherungs- und Steuergelder für unnötige und falsche Leistungen verschwenden. Nur gezielte bevölkerungsrepräsentative Gesundheitsdaten erlauben ein genaueres Bild und somit eine Optimierung der Gesundheitsversorgung. Es ist daher unerlässlich, die verschiedenen krankheitsspezifischen Register zu verknüpfen und nutzbar zu machen. Mit dem Krebsregistrierungsgesetz, welches wir in der Frühjahrssession verabschiedet haben, sollen schweizweit mit Registern die Prävention, Früherkennung und Behandlung von Krebserkrankungen verbessert werden.
Im Rahmen der Beratung dieses Gesetzes war die Frage der Datenverknüpfung wie auch des Zugangs von Forschern zu Registerdaten mehrfach Gegenstand der Diskussion. Es ist unbestritten, dass verbesserte Gesundheitsdaten die Planung und die Qualitätssicherung in der Gesundheitsversorgung unterstützen und dadurch dazu beitragen, Indikationsstellungen für Entscheide zu diagnostischen Tests und Therapien zu verbessern. Ich mache ein Beispiel: Gewisse Krebserkrankungen sind bei Diabetes gehäuft. Es scheint ein möglicher Zusammenhang zwischen der Verwendung eines Insulinpräparates und einem erhöhten Risiko für die Entwicklung bestimmter Krebserkrankungen zu geben. Mit dem Krebsregister bekommen wir eine Grundlage für die Erfassung der Krebserkrankungen. Eine Verknüpfung mit anderen statistischen Parametern würde Forschern ermöglichen, vertiefte Analysen zu machen, um für die Prävention und für Therapiemöglichkeiten Erkenntnisse zu gewinnen. In der Schweiz ist dies nicht möglich, weshalb ausländische Studien beigezogen werden müssen.
Gestern haben sich der Landwirtschaftliche Klub und die Parlamentarische Gruppe Gesundheitspolitik der Bundesversammlung an einem Informationsanlass mit Antibiotikaresistenzen in der Human- und Tiermedizin auseinandergesetzt. Von landwirtschaftlicher Seite wurde moniert, dass in der Tiermedizin bei Nutztieren jede Antibiotika-Verabreichung minutiös dokumentiert werden muss, während dies in der Humanmedizin überhaupt nicht der Fall ist.
Diese Kritik ist berechtigt. Es wäre wichtig, auch in der Humanmedizin genauere Informationen über den Antibiotika-Einsatz zu bekommen: Auch bei Menschen entwickeln sich Resistenzen mit gravierenden Folgen. Dazu brauchen wir aber bessere Daten, die erfasst und verknüpft werden müssen, und das möchte ich mit meinem Postulat. Es ist mir bewusst, dass die Frage des Datenschutzes im Humanmedizinbereich besonders sensibel ist; deshalb habe ich auf den Aspekt des Datenschutzes explizit hingewiesen.
Ich bitte Sie, im Interesse einer nutzbringenden Versorgungsforschung im Gesundheitswesen dem Postulat zuzustimmen.