Markwalder Christa · Nationalrat · 2016-09-12
Markwalder Christa · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion · 2016-09-12
Wortprotokoll
Leider müssen wir unsere Session mit einem Nachruf beginnen. Wir gedenken heute des ehemaligen Ratsmitgliedes und Bundesrates Alphons Egli, der am 5. August im Alter von 91 Jahren verstorben ist.
Der promovierte Jurist und selbstständige Rechtsanwalt wurde vom Luzerner Stimmvolk 1975 in den Ständerat gewählt. Dort wirkte er in über achtzig Ad-hoc- und in sechs ständigen Kommissionen mit. 1979 wurde er Präsident der CVP-Gruppe des Ständerates. Im Dezember 1982 wählte ihn die Bundesversammlung im ersten Wahlgang in den Bundesrat.
Alphons Egli war ein Politiker mit scharfem Intellekt, wertkonservativ im besten Sinn, bewahrend und gleichzeitig offen für Neues, weitsichtig, kompetent und nicht zuletzt geschätzt wegen seines trockenen Humors.
Nicht wenige befürchteten, dass mit dem katholisch-konservativen Luzerner die Landesregierung weniger fortschrittlich sein würde. Bundesrat Egli widerlegte dieses Klischee, ohne aber seine Gesinnung aufzugeben.
Ihm wurde das vielfältige Departement des Innern übertragen. Seine Regierungsjahre waren klar vom Thema [PAGE 1232] Umweltschutz dominiert. Bereits im ersten Amtsjahr wurde Alphons Egli mit alarmierenden Expertenberichten über den schlechten Zustand des Schweizer Waldes konfrontiert. Zur Verbesserung der Luftqualität setzte er gegen Widerstände tiefere Tempolimiten auf den Strassen, die Katalysatorenpflicht und ein Verbot von bleihaltigem Normalbenzin durch.
Anlässlich der Walddebatte von 1985 beschlossen die eidgenössischen Räte auf Antrag des Bundesrates zudem eine Verminderung der Schadstoffemissionen im Verkehrs- und Energiebereich und die Förderung des öffentlichen Verkehrs. In seine Zeit als Bundesrat fielen schliesslich auch die Atomkatastrophe in Tschernobyl und der Chemieunfall in Schweizerhalle, die politische Massnahmen erforderten.
Alphons Egli entwickelte sich mit seinem engagierten Vorgehen zur Symbolfigur einer konsequenten und vorausschauenden Umweltpolitik und trug damit wesentlich zur ökologischen Sensibilisierung der Bevölkerung bei. Auch in anderen Politikfeldern setzte er sich beharrlich für Lösungen ein, etwa in der Forschungspolitik, bei verschiedenen Sozialversicherungsrevisionen, bei der Harmonisierung des Schuljahresbeginns und beim Kulturartikel. Als Bundespräsident entschuldigte er sich 1986 dafür, dass den Jenischen mit Unterstützung des Bundes Unrecht geschehen war.
Alphons Egli suchte das Rampenlicht nicht; stets stand für ihn die Sache im Zentrum. Seine offene und gradlinige Art, sein Engagement und seine Glaubwürdigkeit machten ihn populär und in der Bevölkerung beliebt.
Nach vier Jahren trat Alphons Egli Ende 1986 aus gesundheitlichen Gründen als Bundesrat zurück. In seiner Abschiedsrede vor dem Parlament wies er auf das übergeordnete Ziel der Politik hin: die in der Verfassung stipulierte gemeinsame Wohlfahrt. Diese umfasse aber nicht nur Wohlstand, sie beinhalte auch das seelische und geistige Wohlbefinden. Es sei Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass sich die entsprechenden Kräfte entfalten könnten. Vor allem der Jugend sei man dies schuldig, betonte er.
Nach seiner Zeit als Bundesrat fand Alphons Egli wieder mehr Zeit für seine Familie, für einen währschaften Jass, für die klassische Musik und für sein Hobby, die Kirchengeschichte. Aus der Politik zog er sich weitgehend zurück.
Wir werden Alphons Egli als aktiven und mutigen Bundesrat und als diskreten und liebenswürdigen Menschen in guter Erinnerung behalten.
Im Namen der Bundesversammlung möchte ich seiner Familie unser tiefes Beileid aussprechen.
Ich bitte Sie und die Besucher auf den Tribünen, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken. [GZ]
[VS] [GZ]
[VS] [GZ]
Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen [GZ]
L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt