Widmer Hans · Nationalrat · 2002-03-20
Widmer Hans · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-03-20
Wortprotokoll
Ich verstehe jeden Arzt, der so spricht wie Herr Guisan. Ich verstehe jede Mutter, die so reagiert, wie das Frau Haller in ihrem Votum zum Ausdruck gebracht hat. Aber ich bin als politischer Mensch auch dafür verantwortlich, dass die Wissenschaft und die Forschung im Sinne der Ganzheit betrachtet werden. Es bereitet mir Sorgen zu sehen, wie einzelne Bereiche mit ihrer je eigenen Logik - das kann die Forschung, eine bestimmte Produktionsweise der Landwirtschaft usw. sein - einfach nur ihre eigene Dynamik in die Politik einbringen. Das ist nun bei dieser Forschung ebenfalls der Fall. Jede Logik, jede Dynamik jedes Teilbereichs hat sich zu verantworten vor der "Polis", und die "Polis" ist das Gesamte. Und was ist das Gesamte in diesem Zusammenhang? Das ist z. B. auch die Wirkung auf jene Menschen, die aus ihrem Gewissen heraus auch ein behindertes Kind auf die Welt bringen und dazu stehen wollen.
Es braucht Jahre, um zu sehen, welches z. B. die Wirkung des Drucks, ein gesundes Kind haben zu müssen, auf die Versicherungen sein wird. Es gibt die "Eugenik-Falle", die zusammen mit dem Kick der Forschung in einen Clinch kommt. Es gibt, Herr Randegger, auch fundamentale Widersprüche, die von der Medizin produziert worden sind. Wir haben immer mehr ältere Menschen und beklagen uns auf der anderen Seite, weil wir nicht mehr für sie sorgen wollen.
Heute wird Frau Ständerätin Saudan einen Verein "Alter ego - Contre la maltraitance des vieux" gründen. Wir haben also solche Widersprüche, und ich als Politiker habe die Verantwortung für die gesamtpolitische Betrachtungsweise. Fallen wir nicht in die Demokratiegefährdung aufgrund der Dynamik der Forschung! Fallen wir nicht in die Demokratiegefährdung einzig aufgrund der Dynamik der Wirtschaft. Deswegen bin ich dafür, dass wir jetzt zuwarten und diese Motion ablehnen. Ich stehe dafür, dass wir die Zeit walten lassen und die Priorität der Politik auch der Dynamik der Forschung gegenüber hochhalten. Das sage ich als überzeugter Vertreter der Forschung und zufälligerweise auch als neuer Präsident der WBK; auch die Forschung muss sich in die politische Verantwortung einbinden lassen.
Aus diesem Grund bitte ich Sie, diese Motion abzulehnen.