Fetz Anita · Ständerat · 2016-09-20
Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2016-09-20
Wortprotokoll
Sie sehen auf der Fahne, dass ich hier eine einsame Minderheit habe. Das heisst aber noch gar nichts, weil ich nämlich den Beschluss des Nationalrates unterstütze. Dort wurde diese Pauschale von 50 Prozent mit 164 zu 20 Stimmen angenommen. Warum ist das so? Wir hatten in der Kommission relativ wenig Zeit, diesen Punkt detailliert anzuschauen. Die wenigsten von uns wissen, was es bedeutet, z. B. im Festivalbereich als Musiker oder Musikerin unterwegs zu sein. Darum hat man hier das Gefühl, diese 35 Prozent seien genug.
Sie waren sicherlich auch schon an Festivals: auf dem Gurten, in Gampel usw. Es gibt ja vor allem im Sommer in der Schweiz sehr viele Festivals. Sie müssen sich vorstellen, was es braucht, wenn eine Band kommt: Personal für die Tournee; Reise- und Übernachtungskosten, und zwar für alle, die rund um diese Band agieren; Instrumentenmiete; heutzutage braucht es Showeffekte, Pyrotechnik, Video-, Audio- und Lichttechnik; Transport dieser ganzen Equipments in Lieferwagen und LKW; Probetage; Provisionen an die Vermittlungsagentur. Jetzt überlegen Sie sich einmal Folgendes: Die allermeisten dieser Bands - ich habe mich informieren lassen - haben keine wesentlich höhere Gage als 10 000 Franken. Das Maximum an solchen Festivals sind etwa 200 000 Franken Gage. Das ist aber die Gage für die Top Acts, die man heute gar nicht mehr darunter bekommt.
Viele in der Kommission haben gemeint, da würden dann sozusagen solche Superbands wie die Stones oder Coldplay, die in der Schweiz ganze Fussballstadien füllen können, subventioniert. Da müssen Sie aber einfach wissen, dass diese die absolute Minderheit sind. Bezogen auf den Gesamtmarkt liegt der Anteil dieser Topverdiener bei 4 Prozent. Die meisten von ihnen haben zudem Steuerrulings mit den Kantonen. Das können Sie also nicht vergleichen.
Deshalb bitte ich Sie hier, gleich lange Spiesse zu machen. Es geht nicht darum, ausländische Künstlerinnen und Künstler zu bevorzugen. Sondern es geht darum, einigermassen gleich lange Spiesse zu machen und auch eine gewisse Koordination zwischen Kantonen und Bund herzustellen. Es ist nun wirklich kompliziert, wenn in jedem Kanton eine andere Besteuerung besteht.
Lassen Sie sich nicht von einer Handvoll Grossverdiener-Bands, die ab und zu mal in die Schweiz kommen, davon abhalten. Das ist nicht der Durchschnitt der Künstler.
Ich bitte Sie deshalb, einer Pauschale von 50 Prozent zuzustimmen, so, wie dies der Nationalrat in seiner grossen Mehrheit schon gemacht hat.