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Engler Stefan · Ständerat · 2016-09-22

Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · CVP-Fraktion · 2016-09-22

Wortprotokoll

Kollege Jositsch hat den Motionär sekundiert, ich möchte Kollege Rieder zu Hilfe kommen und Ihnen ebenfalls beantragen, seinen Einzelantrag anzunehmen und Ziffer 2 der Motion abzulehnen.

Wir kennen in der Schweiz keinen Trauzeugennotstand. Es ist nicht so, dass man die Leute nicht findet, die ein junges Paar bei der Trauung begleiten und sie bei diesem wichtigen Schritt unterstützen. Auch die vorgebrachten Bürokratiegründe sind Scheingründe. Die feierliche Trauung vor dem Zivilstandsbeamten ist eine schöne Tradition. Wieso sollten wir sie ohne Not über Bord werfen?

Der Hauptgrund, am Trauzeugen festzuhalten, ist für mich folgender: Wir haben es im Rahmen verschiedener Revisionen des Scheidungsrechts den Eheleuten relativ einfach gemacht, formell aus einer Ehe auszusteigen. Ich sage nicht, dass es emotional nicht ein schwieriger Entscheid ist, aber ich war einmal Richter an einem Bezirksgericht und habe miterlebt, wie einfach man es den Eheleuten gemacht hat, aus einer Ehe auszusteigen. Nun sind wir daran, auch noch den Eheschluss zu vereinfachen. Herr Caroni, der nächste Schritt wäre es, dass Sie fordern, dass man auf die Trauung gänzlich verzichten und es zur Begründung einer Lebensgemeinschaft bei einem einfachen Vertrag bewenden lassen kann.

Wenn ich den Bericht des Bundesrates zum Postulat Fehr Jacqueline 12.3607 vom März 2015 richtig in Erinnerung habe, erklärt der Bundesrat darin, was künftig alles an Familienbildern möglich sein könnte. Es wird dabei die Vielfalt der Formen des Zusammenlebens unterstrichen. Dies geht von zeitgenössischen Paarbeziehungen über polygame Ehen und faktische Lebensgemeinschaften bis zur "Ehe für alle" - all dies versteht man unter "Modernisierung des Familienrechts", von "Zusammenlebensformen". [PAGE 766]

Ich möchte nicht mit dem Entscheid, die Trauung noch weiter zu vereinfachen, die Ehe schwächen. Deshalb bin ich der Meinung, wir sollten daran festhalten. Irgendwann diskutieren wir über "Ehe für alle" oder auch über den Pacte civil de solidarité, was dann gar keine Voraussetzungen mehr benötigen würde. Womöglich wird man einen solchen per Handschlag abschliessen können. Diese Diskussionen werden womöglich noch auf uns zukommen.

Deshalb möchte ich Kollege Rieder unterstützen, an dieser schönen Tradition festzuhalten, selbst wenn sie beweismässig keine Rolle mehr spielt. Immerhin unterstreichen wir damit, dass wir dem Akt der Trauung eine Bedeutung beimessen, weil damit eine Ehe begründet wird.