Hubmann Vreni · Nationalrat · 2002-03-21
Hubmann Vreni · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-03-21
Wortprotokoll
Für die Nationalstrassenverbindung Innerschweiz-Zürich stehen zwei Varianten zur Diskussion: Diese beiden Varianten wurden seinerzeit von der Kommission überprüft, die von Herrn Nationalrat Walter Biel präsidiert wurde. Die Ergebnisse sind im Schlussbericht von 1981 festgehalten.
Seither haben sich allerdings zwei grundlegende Annahmen, auf denen der Bericht basierte, entscheidend verändert. Sie müssen unbedingt in die Planung einbezogen werden, denn sie verändern die Ergebnisse grundsätzlich. Einerseits ist das Projekt N4 mit dem Einbezug des Islisbergtunnels wesentlich verändert worden. Andererseits hat eine wissenschaftliche Studie gezeigt, dass die spezielle Topographie im Knonauer Amt dazu führen wird, dass im Gebiet von Knonau, Wettswil und Bonstetten massive Immissionen von Luftschadstoffen zu erwarten sind.
Es ist deshalb dringend nötig, die beiden Varianten nochmals zu überprüfen. Das Ergebnis wird vermutlich anders lauten als im Schlussbericht von 1981. Zum Beispiel spricht die Kosten-Nutzen-Analyse, welche die Reisezeitdifferenz, die Investitionskosten und die Unterhaltskosten berücksichtigt, heute zugunsten der Zimmerbergvariante. Das gleiche Resultat ergibt die Nutzwertanalyse.
Ich habe Ihnen in meiner Begründung, Herr Bundesrat, ausführliche Angaben und Zahlen dazu geliefert, die mir vom Umweltforum Wettswil zur Verfügung gestellt worden sind. Ich möchte hier nicht in die Einzelheiten gehen, sie sind Ihnen bekannt.
Ein sehr wichtiges Problem möchte ich jedoch aufgreifen. Vor etwa vier Jahren kamen besorgte Bürgerinnen und Bürger aus dem Knonauer Amt nach Bern, um uns auf das Problem aufmerksam zu machen. Es geht um die Immissionen von Luftschadstoffen, welche aufgrund der speziellen Topographie des Gebietes klar gesundheitsschädigende Ausmasse annehmen werden, wenn die heute vorgesehene Variante gebaut werden sollte. Warum ist das so?
Es handelt sich um eine Beckenlandschaft, die seitlich von Moränen begrenzt wird. Messungen der Firma Oekoscience haben ergeben, dass sich in diesem Gebiet vor allem im Winter lokale Inversionen bilden. Das sind kleinräumige Kaltluftseen, in denen der vertikale Luftaustausch fehlt. Die Luft bleibt liegen - wenn ich mich so ausdrücken darf -, und natürlich die Schadstoffe auch. Dadurch steigt die Schadstoffbelastung an diesen Orten bis auf das Sechsfache an. Was das bedeutet, wenn dort eine Nationalstrasse gebaut wird, können wir uns leicht vorstellen. Die Bevölkerung in der betroffenen Region ist höchst alarmiert. Nach Ansicht von Fachleuten sind gesundheitsschädigende Auswirkungen sicher.
Leider nimmt die Baudirektion des Kantons Zürich die Befürchtungen dieser Leute nicht ernst. Sie will die Strasse endlich bauen, und damit basta! Sie, Herr Bundesrat Leuenberger, sind die letzte Hoffnung für diese Leute. Sie können veranlassen, dass die beiden Varianten im Lichte der neuen Erkenntnisse nochmals überprüft werden. Bitte tun Sie es; die Zukunft wird Ihnen Recht geben.