Heim Bea · Nationalrat · 2016-12-14
Heim Bea · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2016-12-14
Wortprotokoll
Was will dieses Postulat? Es will die Förderung der Tiergesundheit verstärken und die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft und für die Förderung der Tiergesundheit verbessern, dies vor dem Hintergrund der zunehmenden Resistenzen gegen Antibiotika, die Tier und Mensch gefährden.
Die Entwicklung von Antibiotika zählt bekanntlich zu den bedeutendsten Fortschritten der Medizin. Ein übermässiger und unsachgemässer Einsatz führt jedoch dazu, dass immer mehr Bakterien gegen Antibiotika resistent werden. Die Konsequenzen sind - ohne zu übertreiben, aber es muss gesagt werden - dramatisch: Bereits sterben in der Schweiz jedes Jahr Menschen an Infektionen durch Bakterien, gegen die Antibiotika nichts mehr ausrichten können.
Die bisherigen Bemühungen zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen, so stellt man fest, reichen offensichtlich nicht aus. Der Verbrauch muss reduziert werden, die Umsicht im Antibiotikaeinsatz muss verstärkt werden. Unser oberstes Ziel muss es sein, die Wirksamkeit der Antibiotika für Mensch und Tier langfristig zu erhalten.
Darum müssen erstens die Resistenzsituation und der Antibiotikaverbrauch in Human- und Tiermedizin überwacht werden. Nur so lässt sich der Erfolg der Massnahmen der Antibiotikastrategie des Bundes, wie sie beschlossen ist, messen. Zweitens braucht es Richtlinien zur Verschreibung, zur Abgabe und zur Anwendung von Antibiotika, und dies in der Humanmedizin wie in der Veterinärmedizin. Drittens braucht es die richtigen Rahmenbedingungen, d. h., es gilt, Anreize für die Förderung der Tiergesundheit zu setzen, damit weniger Antibiotikaeinsatz nötig ist. Dies zu prüfen verlangt das Postulat. Es verlangt es auf der Basis des Tiergesundheitsberichtes von 2015. Dieser zeigt einen im internationalen Vergleich bemerkenswert hohen Antibiotikaverbrauch in der Schweiz. Er zeigt damit implizit auf, dass Handlungsbedarf für eine verstärkte Förderung der Tiergesundheit besteht. Ich richte hier meinen Appell insbesondere an die Veterinärmedizin. Sie sollte in der Tiermedizin mehr und konsequent auf Prävention und Gesundhaltung fokussieren und die Tierhalterinnen und Tierhalter darin mit einer umfassenden Bestandesmedizin und mit Beratung unterstützen.
Der Bundesrat empfiehlt das Postulat zur Annahme. Das freut mich natürlich. Ich hätte es auch nicht anders erwartet. Weniger verständlich allerdings ist für mich die Kritik aus dem Parlament daran, dass das Postulat die Verantwortung, das Mitwirken der Tierärzteschaft und der Tierhalter an der Gesunderhaltung der Tiere einfordere. Nun, im Kampf gegen die Antibiotikaresistenzen sind wir alle gefordert - Wirtschaft, Bildung und Forschung ebenso wie die Medizin und die Landwirtschaft selbst. Darum habe ich ja 2012 mit einer Motion (12.4052) einen sogenannten One-Health-Ansatz für eine Antibiotikastrategie verlangt, und zwar einen One-Health-Ansatz, der die Human- und Veterinärmedizin mit einbezieht. So wird es nun im Projekt Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz umgesetzt.
Ich hoffe nun, dass die Bekämpfung des vorliegenden Postulates nicht ein schlechtes Omen ist. Und ich gestehe Ihnen: Ich kann mich der Befürchtung einfach nicht erwehren, dass man hier im Gegensatz zu allen gehörten Beteuerungen vonseiten der Landwirtschaft, vonseiten der Veterinärmedizin ein Zeichen des Widerstandes gegen die Umsetzung der dringend nötigen Antibiotikastrategie setzen möchte.
Eine Ablehnung dieses Postulates wäre genau die Gelegenheit, um ein solches Signal politisch und öffentlich zu setzen. Das möchte ich verhindern, und darum ziehe ich das Postulat zurück.