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Jans Beat · Nationalrat · 2017-03-07

Jans Beat · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-03-07

Wortprotokoll

Sie werden hier bemüht wegen 3000 Kälbern und weil die Frage im Raum steht, ob die mit 121 oder mit 161 Tagen auf den Schlachtviehmarkt gebracht werden sollen, und weil das Berner Oberland mit dieser Frage ein spezielles Problem hat. Deshalb werden Sie hier bemüht. Ich spreche hier im Namen der Minderheit und sage Nein. Herr Heer hat es auf den Punkt gebracht: Alles hat seine Grenzen, auch die Regulierung, auch die Administrationswut in diesem Parlament, wenn es um die Landwirtschaft geht.

Was ist eigentlich das Problem? Seit Kalbfleisch nicht mehr hell sein muss, sondern auch rosa sein darf, gibt es ein Problem, diese beiden Fleischarten zu unterscheiden. Deshalb soll man die kleinen Kälber nicht mehr auf die Schlachtviehmärkte bringen, weil sie nicht geschlachtet werden dürfen. Einige Bauern wollen das aber trotzdem auch in Zukunft tun, und zwar weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass man mit diesem System höhere Preise löst. In der Vergangenheit war das damit zu erklären, dass sie, wenn sie auf einem Schlachtviehmarkt ein Tier verkaufen, eine höhere Inlandleistung geltend machen können.

Was ist eine Inlandleistung? Das versteht auch niemand mehr, schon längst nicht mehr. Das ist Folgendes: Wenn Händler inländisches Vieh verkaufen oder kaufen, dann können sie gleichzeitig Rechte erwerben, um mehr ausländisches Fleisch zu importieren. Das ist für Händler attraktiv, also gehen sie auf diese Schlachtviehmärkte und kaufen die Kälber dort, um sie dann später zum zweiten Mal auf die Schlachtviehmärkte zu bringen, wenn sie dann gemästet sind - so können sie nochmal ein Inlandkontingent auslösen. So wurde das gehandhabt, und die Berner Oberländer Bergbauern haben davon profitiert. Sie hatten höhere Kälberpreise. Nun muss also das Parlament, das entschieden hat, dass man das nicht mehr soll, eine Lösung finden für diese Berner Oberländer Bauern, damit sie auch in Zukunft auf diesen Schlachtviehmärkten noch höhere Preise lösen können.

Ich finde, das ist jetzt einfach übertrieben. Es ist ein perverses System. Um es aufrechtzuerhalten, was diese Motion will, muss die Verwaltung die Tierverkehrsdatenbanken anpassen, und das kostet 200 000 bis 300 000 Franken. Sind Sie sicher, dass die Bevölkerung will, dass die Verwaltung 200 000 bis 300 000 Franken für 3000 Kälber ausgibt, damit die teuer verkauft werden können? Ich bezweifle das; das können Sie am Schluss niemandem mehr erklären. Das ist der erste Grund, warum man das nicht braucht.

Der zweite Grund ist ganz einfach: Kälber, die nicht geschlachtet werden dürfen, haben auf Schlachtviehmärkten nichts verloren. Punkt. Schluss. Man kann es auch so erklären.

Dann gibt es einen dritten Grund, warum man dagegen sein muss; Sie haben es gehört: Die Berner Oberländer haben ja eine Lösung gefunden. Proviande hat mit dem Bauernverband und mit den Viehhändlern eine private Lösung gefunden. Es braucht diese Motion nicht mehr. Einfach, um irgendeinen Druck auf diese privaten Vereinbarungen aufrechtzuerhalten, eine Motion anzunehmen, das ist unser nicht würdig.

Dann gibt es, last but not least, noch einen letzten Grund: Es gibt auch noch den Tierschutz. Was soll das, solche kleinen Kälber in der Welt herumzukarren? Sie vertragen das nicht. Erstens stresst das diese Tiere, zweitens muss man sie dann mit Antibiotika behandeln. Genau das - das haben wir ja in diesem Rat beschlossen - wollen wir nicht mehr, dass in der Landwirtschaft so viel Antibiotika eingesetzt werden.

All das sind gute Gründe, diese Motion einfach zu begraben. Sie werden eine Lösung finden, da bin ich zuversichtlich. Erich von Siebenthal weiss das eigentlich ganz genau.