Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · 2017-05-02
Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · Zürich · CVP-Fraktion · 2017-05-02
Wortprotokoll
Am 6. Mai 2015 habe ich vorliegendes Postulat eingereicht, weil von Fachleuten geschätzt wird, dass zwischen 50 000 und 100 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz Aufgaben in der Pflege von Eltern und weiteren Angehörigen übernehmen. Es handelt sich um eine Gruppe von jungen Menschen, die Aufgaben übernehmen, welche nicht auf ihren Schultern lasten sollten. Sie sind enormen psychischen und gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt. Pflegende Kinder und Jugendliche können oftmals ihren regulären Schulalltag nicht bewältigen.
Mit seinem Programm "Entlastungsangebote für pflegende Angehörige" ist der Bundesrat inzwischen aktiv geworden. Am 4. März 2016 hat er zwei Förderprogramme für das Gesundheitswesen gutgeheissen, unter anderem das Förderprogramm "Entlastungsangebote für pflegende Angehörige". Das Programm ist sehr erfreulich und ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings habe ich noch zwei Anliegen dazu, die mir wichtig sind: [PAGE 610]
1. In Ziffer 3.2.1 der Broschüre zum Förderprogramm werden zwei Gruppen von pflegenden Angehörigen definiert, einerseits Frauen und Männer in Ausbildung, im erwerbsfähigen Alter oder im Rentenalter, andererseits Jugendliche, die kranke oder pflegebedürftige Familienmitglieder betreuen und pflegen. Wenn der Bundesrat mir bestätigen kann, dass in der Gruppe "Jugendliche" auch Kinder einbezogen sind, dann bin ich gerne bereit, das Postulat zurückzuziehen, denn gerade Kinder sind in dieser Frage besonders schutzbedürftig.
2. Eine weitere Lücke, bei der ich nicht ganz sicher bin, ob sie geschlossen wird, betrifft die Frage, ob für Kinder und Jugendliche eine bessere Vereinbarkeit von Schule und Pflege gesucht wird oder ob tatsächlich angestrebt wird, dass sie gar nicht erst in diese Situation geraten. Kinder und Jugendliche sollen nicht Schule und Pflegerolle in Einklang bringen müssen. Sie sollen in erster Linie voll und ganz die Schule besuchen können.
Wenn der Bundesrat mir bestätigen kann, dass er diese Lücken schliessen will, bin ich bereit, das Postulat zurückzuziehen.