Fricker Jonas · Nationalrat · 2017-06-07
Fricker Jonas · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2017-06-07
Wortprotokoll
Als Erstes möchte ich eine herzliche Gratulation an den Verein "Vaterschaftsurlaub jetzt!" aussprechen, der jetzt die Unterschriften für die Initiative für 20 Tage Vaterschaftsurlaub, Herr Bundesrat Berset hat es schon erwähnt, zusammengekriegt hat. Ich wurde per E-Mail aufgefordert, meine letzten Unterschriften bis gestern zurückzusenden. Das habe ich auch gemacht. Dieser Erfolg freut mich sehr. Wir werden dem Thema Gleichstellung wieder begegnen. Auch heute hat es sehr viele Vorstösse zu diesem Thema gegeben. Frau Schmid-Federer und Frau Feri haben mir aus dem Herzen gesprochen. Es ist auch ein grosses Anliegen der Männer, ihre Verantwortung in der Familienarbeit und im Beruf wahrzunehmen.
Weniger erfreulich ist, dass der Bundesrat die vorliegende Motion, die ich von meiner Kollegin Trede übernommen habe, zur Ablehnung empfiehlt. Die Motion will eine kommentierte Umfrage zur Situation in der Schweiz bezüglich Vaterschaftsurlaub. Dabei geht es um eine Analyse der gängigen Praxis des Bezugs von Vaterschaftsurlaub sowie der Bedürfnisse der Väter. In seiner Stellungnahme schreibt der Bundesrat, dass er sich davon keine allgemeingültigen Aussagen erhofft. Er lehnt eine solche Umfrage als zu komplex ab.
Da muss ich dem Bundesrat dezidiert widersprechen. Zwar hat der Bundesrat in seinem Bericht von 2013 verschiedene Modelle zum Vaterschafts- und Elternurlaub dargestellt und einer Bewertung unterzogen. Hingegen fehlt eine Analyse der Präsenz der Väter und der Bedürfnisse der Familien während der ersten Lebenswochen bzw. des ersten Lebensjahres eines Kindes. Nicht beantwortet werden in diesem Bericht Fragen wie: Welche freiwilligen Leistungen gewähren Arbeitgeber heute schon? Wie viel Urlaub beziehen Väter? Wird der Urlaub bezahlt oder unbezahlt bezogen? Es geht also um eine Situationsanalyse, damit eine faktenbasierte Diskussion über dieses Thema stattfinden kann. Eine solche Analyse kann z. B. per Stichprobenerhebung gemacht werden und würde ein klares Bild über die heutige Realität in Sachen Vaterschaftsurlaub liefern. Dies ist angesichts der Vaterschaftsurlaubs-Initiative, die am 4. Juli eingereicht werden wird, notwendig und leistbar.
Da kommt gleich meine Frage an Bundesrat Berset: Was hat dann der Bundesrat vor, damit eine fruchtbare und faktenbasierte Diskussion über den Vaterschaftsurlaub bzw. diese Initiative geführt werden kann? Was möchten Sie denn machen, wenn nicht so eine faktenbasierte Situationsanalyse? Für eine fundierte Diskussion braucht es eine Analyse der heutigen Situation.[GZ]
Darum bitte ich Sie, diese Motion anzunehmen.