Lexipedia

Graf Maya · Nationalrat · 2017-06-07

Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2017-06-07

Wortprotokoll

Wir wechseln nun vom Gleichstellungsthema zum Tierschutz; Sie haben ja ein reichhaltiges Departement, Herr Bundesrat.

Ich vertrete hier die Motion Trede 15.3736, "Importverbot für Jagdtrophäen". Diese Motion hat zum Ziel, dass die Schweiz an den Grenzen die Einfuhr und den Transit von Trophäen geschützter Tierarten wie Elefanten, Nashörner, Eisbären sowie von Primaten und Raubtieren unterbindet, indem sie ein einfach zu vollziehendes Importverbot erlässt. Zudem soll das Importverbot auch die in der Schweiz aus ethischen Gründen verbotene Gatterjagd betreffen.

Hobbyjägerinnen und -jäger, auch rund 1500 Schweizer pro Jahr, reisen um den Globus, um seltene Tiere zu erlegen und deren Trophäen mit nach Hause zu nehmen. Bei Jagden im Ausland werden zudem Waffen und Methoden eingesetzt, deren Verwendung in der Schweiz aus Tierschutzgründen verboten ist. Zudem belegen Zahlen, dass in den acht afrikanischen Ländern mit der stärksten Trophäenjagd-Industrie nur gerade 1,8 Prozent des Tourismuseinkommens durch Trophäenjagd generiert werden können. Nur gerade 0,9 Promille des Tourismuseinkommens kommen wirklich dem Artenschutz zugute. Es kann also keine Rede davon sein, dass es hier um Tourismuseinnahmen oder um Artenschutz geht. Dem stehen nämlich Landenteignungen, illegale Abschüsse, Tierquälereien sowie Schmuggel unter dem Deckmantel der Trophäenjagd gegenüber.

Alleine in Afrika werden jährlich rund 100 000 Grosskatzen, Elefanten, Büffel, Giraffen, Zebras und Antilopen Opfer von Trophäenjägern. In den Jahren 2010 bis 2016 wurden alleine 80 Elefantentrophäen in die Schweiz eingeführt. Stellen Sie sich das vor, das sind 10 tote Elefanten, die jährlich auf das Konto von Schweizer Jagdtouristen gehen! Ausserdem wurden 38 Leoparden, 30 Flusspferde und Dutzende von Braun- und Schwarzbären gejagt. Das ist die Bilanz, und wir müssen sagen: Die Schweiz hat hier Verantwortung, sie muss handeln. Und sie ist nicht alleine. Auch andere Länder werden aktiv. Frankreich hat als Reaktion auf jüngste Trophäenjagdskandale in Afrika Importrestriktionen für Nashorn- und Löwentrophäen erlassen. Die Niederlande verbieten den Import von Trophäen von rund 200 Tierarten, und in der EU fordern 143 Europaparlamentarierinnen und -parlamentarier eine Verschärfung der Importbedingungen für Jagdtrophäen in die EU.

Wie das Importverbot für Hunde- und Katzenfelle oder das Importverbot für Robbenprodukte zeigen, sind Importbeschränkungen aus Tierschutzgründen rechtens und bestehen auch vor der Welthandelsorganisation. Die Motion, die wir Ihnen hier vorlegen, ist pragmatisch genug formuliert, um unbedenkliche Trophäenimporte - etwa Hirschgeweihe aus Europa - weiterhin zu ermöglichen. Gleichzeitig setzt sie aber ein deutliches Zeichen gegen das Töten von bedrohten Tieren aus blossen Prestigegründen. Auch die Bevölkerung unterstützt dieses Anliegen: Am 4. April 2017 wurde eine Petition mit 12 400 Unterschriften eingereicht, die von Ocean Care, der Stiftung für das Tier im Recht, Animal Trust und Pro Wildlife organisiert worden war.

Ich bitte Sie daher heute, diese Motion anzunehmen. Bei der Trophäenjagd werden die grössten und für die Arterhaltung wichtigsten Tiere getötet. Die Trophäenjagd fördert die Wilderei, und die Kontrolle des internationalen Handels mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten durch das Cites-Abkommen wird untergraben. Bei der Trophäenjagd werden tierschutzrechtlich nicht tolerierbare Methoden eingesetzt, und die ökonomischen Einnahmen aus der Trophäenjagd leisten einen absolut unerheblichen Beitrag zum Arten- und Biodiversitätsschutz.[GZ]

Aus all diesen Gründen bitte ich Sie, diese Motion zu unterstützen.