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Eder Joachim · Ständerat · 2017-06-14

Eder Joachim · Ständerat · Zug · FDP-Liberale Fraktion · 2017-06-14

Wortprotokoll

Gestatten Sie mir zwei Vorbemerkungen: Erstens habe ich persönlich gar nichts gegen die Weltsprache Englisch. Wie ich bereits in der Begründung meines Vorstosses festgehalten habe, ist es verständlich und auch richtig, dass der Forschungsplatz Schweiz ein Gleichgewicht zwischen regionaler Verankerung und fortschreitender Internationalisierung finden muss. Mir geht es mit meinem Vorstoss in erster Linie um die Wertschätzung unserer Landessprachen und um die Durchsetzung der Sprachenpolitik des Bundes, auch und gerade beim Schweizerischen Nationalfonds und bei der Arbeit landesinterner Gremien, die einen Auftrag des Bundes haben und an denen keine internationalen Gäste beteiligt sind.

Zweitens verdanke ich viele meiner folgenden Äusserungen dem fruchtbaren Gedankenaustausch mit dem St. Galler Stiftsbibliothekar Dr. Cornel Dora. Dieser scheint mir als Hüter der Schätze im Kloster St. Gallen, in dem Notker der Deutsche das Deutsche als Wissenschaftssprache geschaffen hat, bestens legitimiert. Zudem hat mich unser sehr geschätzter Ständeratspräsident Ivo Bischofberger in den Bemühungen, das Thema der Dominanz des Englischen in der Wissenschaft auf das politische Parkett zu bringen, unterstützt.

Was die Antwort des Bundesrates anbelangt, so kann ich mich mit dieser beim besten Willen nicht zufriedengeben. In der Antwort auf meine beiden ersten Fragen können wir beispielsweise lesen, dass es zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich sei, diese Fragen abschliessend zu beantworten. Was heisst das? Ich hätte mindestens einen approximativen Hinweis erwartet. Oder kann ich davon ausgehen, dass man mir die Antwort später geben wird? Die Antwort des Bundesrates zeigt im Ansatz zwar in die richtige Richtung, allerdings geht sie den Weg nicht genügend überzeugt.

Die Bedeutung der Landessprachen wird erwähnt, aber von deren aktiver Förderung durch den Bund spürt man hier eindeutig zu wenig. Meine Vermutung ist, dass beim Schweizerischen Nationalfonds zu wenig kritisch nachgefragt wurde. Meines Erachtens kann es nicht sein, dass gastgebende Institutionen vom Personal des Schweizerischen Nationalfonds zur Einreichung ihrer Einladung in englischer Sprache aufgefordert werden, obwohl die Einladung nicht zu den wissenschaftlichen Teilen eines Gesuchs gehört und damit gemäss Bundesrat auch in den Landessprachen verfasst werden könnte.

Herr Bundesrat, ich weiss nicht, ob Ihnen bekannt ist, dass vielerorts der Eindruck herrscht, der Schweizerische Nationalfonds gehe mit unseren Landessprachen recht sorglos um, und man das Gefühl hat, dass er damit im wissenschaftlichen Bereich die Sprachenpolitik des Bundes hintertreibe; ich brauche bewusst dieses starke Wort.

Dasselbe gilt für Arbeitsgruppen gewisser Departemente. Es ist wirklich nicht einzusehen, warum beispielsweise Schweizer Professoren der Universitäten Bern, Basel, Zürich, Lausanne und Genf miteinander in Englisch und nicht in einer unserer Landessprachen kommunizieren. Unser Parlament, unsere Parlamentsdienste gehen hier mit gutem, ja bestem Beispiel voraus.

Die Argumentation des Nationalfonds, dass er für seine Expertisierung - so schreiben Sie in der Antwort, und ich finde das ein schreckliches Wort - das Englische verwenden muss, ist sachlich eindeutig falsch. Denn es ist nicht nachvollziehbar, wie ein Experte oder eine Expertin beispielsweise über ein Thema der Schweizer Landesgeschichte oder über die Entwicklung unserer Bundesverfassung kompetent gutachten kann, wenn er oder sie unsere Sprachen nicht beherrscht. Man muss wirklich nicht Experte sein, um den Fehler in der Argumentation fürs Englische zu sehen.

Zusätzlich ist noch Folgendes zu beachten: "English speakers" haben in der wissenschaftlichen Forschung generell einen Vorteil gegenüber allen anderen. Denn es ist wissenschaftlich anerkannt und auch ganz natürlich, dass wir einen Teil unserer intellektuellen Kompetenz verlieren, wenn wir in einer Fremdsprache formulieren müssen. Die "NZZ am Sonntag" hat das vor einiger Zeit überzeugend ausgeführt. Auch aus diesem Grund liegt es nicht in unserem Interesse, dass in unserer Wissenschaftspraxis die Landessprachen marginalisiert werden. Wir diskriminieren damit nämlich auch unsere eigenen Schweizer Wissenschafter. Deutsch, Französisch und Italienisch sind aber, das sei hier in aller Deutlichkeit festgehalten, durchaus international anerkannte Wissenschaftssprachen.

Die Erhaltung unserer Landessprachen als Wissenschaftssprachen ist letztlich auch von demokratiepolitischer Bedeutung. Hier haben unsere Institutionen eine Aufgabe, und zwar [PAGE 497] nicht nur die Institutionen der zentralen und dezentralen Bundesverwaltung, sondern - das im Einklang mit der bundesrätlichen Stellungnahme zur Motion Reynard 15.3647, "Einhaltung des Sprachengesetzes durch Organisationen ausserhalb der Bundesverwaltung" - auch die vom Bund wesentlich finanzierten Institutionen, die landesweit tätig sind, besonders auch der Schweizerische Nationalfonds.

Zusammenfassend gesagt, bin ich der festen Überzeugung, dass unserem Land eine sensible Sprachenpolitik gut ansteht, nicht nur in den Schulstuben, sondern auch in der Wissenschaft. Die Vielsprachigkeit unseres Landes und unsere Geschichte sind für mich persönlich verpflichtende Vorgaben. Ich werde die weitere Entwicklung in dieser Angelegenheit aufmerksam verfolgen. Dem Gesamtbundesrat und Ihrem Departement, Herr Bundesrat und Wissenschaftsminister, gebe ich gerne die Chance zur Verbesserung der Situation. Ich hoffe, dass unsere heutige Diskussion zur Sensibilisierung beiträgt und auch beim Schweizerischen Nationalfonds ein Umdenken bewirkt.