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Feri Yvonne · Nationalrat · 2017-06-15

Feri Yvonne · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-06-15

Wortprotokoll

Auch hier geht es um Kinder, die von Armut betroffen sind. Diese erleben erhebliche Einschränkungen in ihren Teilhabe- und Entwicklungsmöglichkeiten und haben somit stark beeinträchtigte Verwirklichungschancen. Mit meinem Postulat möchte ich eine Studie in Auftrag geben, welche die Situation von Kindern in Familien, die Sozialhilfe empfangen, beleuchtet. Es geht insbesondere darum, die Langzeitauswirkungen aufzuzeigen, welche bei Kindern aus Sozialhilfe empfangenden Familien auftreten. Ebenso soll aufgezeigt werden, mit welchen Massnahmen die negativen Auswirkungen auf das Erwachsenwerden aufgefangen werden können und wie verhindert werden kann, dass Armut vererbt wird.

Der Bundesrat sieht leider keinen Handlungsbedarf. Ich teile seine Meinung nicht. Die Armutsstatistiken zeigen es deutlich: Prekäre Lebensverhältnisse können sich über Generationen verfestigen. Ein Drittel der jungen Erwachsenen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, lebte bereits in der Kindheit in prekären finanziellen Verhältnissen. Die Sozialwissenschaft spricht bezogen auf diese Fälle von einer sozialen Vererbung der Armut. Es geht mir insbesondere darum, die Lebenswege der Kinder zu verfolgen, also eine Langzeitstudie in Auftrag zu geben. Es ist heute bereits klar, dass Kinder, welche in prekären Verhältnissen aufwachsen, daraus nur schwer herauskommen. Es ist aber nicht klar, warum und wie sie es schaffen oder eben nicht schaffen.

Der Einfluss der Armut auf die Gesundheit, auf die Chancen, auf Förderung und Bildung, auf eine erfolgreiche Ausbildung oder Bildung wie auch auf die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten der Betroffenen ist unumstritten. Doch in der Schweiz gibt es grosse Wissenslücken. Es fehlen Studien, die die Langzeitwirkungen der Sozialhilfe, im Besonderen mit einem Fokus auf die betroffenen Kinder und deren Entwicklung, untersuchen.

Für eine erfolgreiche Armutsbekämpfung braucht es Daten, die Langzeiteffekte der getroffenen politischen Massnahmen, auch eines Leistungsabbaus, aufzeigen. Solche Daten ermöglichen längerfristig die Messung ihrer Wirkung. Ziel ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, die eine Beantwortung der folgenden Fragen erlauben: Was lässt Kinder, die in Sozialhilfe empfangenden Familien aufgewachsen sind, im Erwachsenenalter der Armut entkommen? Hier geht es um die Schutzfaktoren. Welche Faktoren verstärken den Effekt, dass sich Armut über Generationen verfestigt, sprich sozial vererbt wird? Hier geht es um die Risikofaktoren.

Vor Kurzem hat das Bundesamt für Statistik folgende Zahlen veröffentlicht: "In der Schweiz waren im Jahr 2015 rund 570 000 Personen oder 7,0 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung in Privathaushalten von Einkommensarmut betroffen. Im Vergleich zum Vorjahr (6,6 Prozent) ist die Armutsquote der Gesamtbevölkerung leicht gestiegen ... Besondere Risikogruppen waren wie in den Vorjahren Personen in Haushalten ohne Erwerbstätige (Armutsquote von 18,2 Prozent), alleinlebende Erwachsene im Erwerbsalter (12,5 Prozent), Personen in Einelternhaushalten mit Kindern unter 18 Jahren (12,5 Prozent) sowie Personen ohne nachobligatorische Schulbildung (10,9 Prozent)."

Da sind viele Kinder mitbetroffen. Wir müssen doch wissen, was mit diesen Kindern im Erwachsenenalter passiert! Das [PAGE 1170] kann uns nicht egal sein. Die Kantone und Gemeinden sind in der Armutsbekämpfung ebenso gefordert wie der Bund. In Anbetracht des Problemdrucks ist die Bereitstellung von Studienergebnissen zur Langzeitwirkung von Sozialhilfe und der Armut allgemein ein wichtiger Schritt von vielen.[GZ]

Ich bitte Sie daher, mein Postulat anzunehmen.