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Stahl Jürg · Nationalrat · 2017-09-12

Stahl Jürg · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2017-09-12

Wortprotokoll

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren, am heutigen Tag vor 169 Jahren, am 12. September des Jahres 1848, trat die erste Bundesverfassung in Kraft. Wir begehen diesen Tag mit einer kleinen Ausstellung in der Kuppelhalle vor den drei Eidgenossen. 169 Jahre nach Inkrafttreten unserer ersten Verfassung lohnt es sich, kurz innezuhalten und auf die Wurzeln unserer modernen Schweiz zu blicken.

In dieses Jahr fällt auch das 500-Jahr-Jubiläum des Beginns der Reformation. Dies gibt uns den Anlass, in der Ausstellung zu zeigen, wie sich religiöse Grundwerte und staatliches Recht auf vielfältige Weise verzahnt haben, wie Religion und Politik in wechselseitiger Beziehung stehen.

Zwar hatte die Reformation die Eidgenossenschaft tief gespalten. Es ist unseren Vorfahren aber gelungen, mit einer Verfassung die Koexistenz verschiedenster politischer, sprachlicher, kultureller und religiöser Lager zu ermöglichen. Für die Kirchen sollte nicht der Bund zentral zuständig sein, sondern die Kantone - ein äusserst weiser Entscheid, der den unterschiedlichen Befindlichkeiten entgegenkam. Die Bundesverfassung von 1848 garantierte die Kultusfreiheit für Christen.

Ein Teil der Ausstellung ist Niklaus von Flüe gewidmet, dem Schutzpatron der Schweiz. Der Asket und Mystiker wurde vor 600 Jahren im Flüeli im Kanton Obwalden geboren. Er war als Ratgeber beim Volk wie bei Staatsmännern geschätzt und hoch geachtet. Seine Vermittlungstätigkeit an der Tagsatzung von 1481 sichert seine Strahlkraft bis heute. Zwischen den zerstrittenen Land- und Stadtkantonen kam dank seiner Intervention das Stanser Verkommnis zustande: Freiburg und Solothurn fanden im eidgenössischen Bund Aufnahme, und der schwelende Konflikt zwischen Stadt- und Landkantonen konnte beigelegt werden.

Jeden Tag begegnen wir hier im Haus der Statue von Niklaus von Flüe in der Kuppelhalle, in der rechten Nische gegenüber den drei Eidgenossen. Er erinnert uns heute noch daran, wie wichtig die Bereitschaft zum friedfertigen Gespräch und zu gemeinsamen Lösungen ist.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Besuch der Ausstellung. Der Blick in die eigene Geschichte ist immer auch lehrreich für die Zukunft, dies umso mehr, als uns allen in der Hektik der Tagesgeschäfte ein kurzer Halt nur guttun kann.[GZ]

In diesem Sinne begrüsse ich Sie zum zweiten Sessionstag.