Campell Duri · Nationalrat · 2017-09-25
Campell Duri · Nationalrat · Graubünden · Fraktion BD · 2017-09-25
Wortprotokoll
Ich gebe Ihnen meine Interessenbindung bekannt: Ich bin romanischsprechend. Im Rahmen der heutigen No-Billag-Debatte möchte ich vor allem als Vertreter einer Randregion das Wort ergreifen. Anhand von drei Beispielen möchte ich Ihnen aufzeigen, wie man in den Randregionen langsam an Service public verliert.
Ich denke hier an die ganze Problematik von zu wenig Breitbandabdeckung. Ich weiss, alle sagen, die Swisscom investiert viel. Das stimmt. Aber in den Randregionen, wo es nicht rentiert, haben wir da riesige Probleme. Als ich einem Kollegen sagte, wir bekämen die Zeitungen erst zwischen 13 und 14 Uhr, sagte er: "Duri, das ist doch kein Problem. Du liest ja die Zeitung im Internet." Ja, wenn man einen Anschluss hat,[PAGE 1547] dann kann man dies tun. Auch mit diesem Beispiel möchte ich aufzeigen, wie schwierig es für die Romanen ist.
Auch sehen wir heute die Problematik der romanischen Zeitungen. Ja, sie sind privat geführt. Aber das Ergebnis ist: Wir haben heute keine romanische Zeitung mehr. Wir diskutieren intensiv, wie wir diese erhalten können. Ich hoffe stark, dass wir weiterhin eine romanische Zeitung erhalten können. Wir kämpfen sehr stark dafür. Aber es ist nicht einfach.
Wir möchten weiterhin romanisches Radio und romanisches Fernsehen haben. No Billag heisst für die Rumantschia No RTR, No Radiotelevisiun Svizra Rumantscha. Der sogenannte freie Markt würde auf keinen Fall ein rätoromanisches Radio und Fernsehen ohne Gebührengelder finanzieren wollen, oder er würde es einfach nicht können. Das Gebiet ist zu klein. Wer investiert, wer macht romanisches Fernsehen oder Radio?
Die SRG leistet einen wichtigen Beitrag zum nationalen Zusammenhalt und zum Austausch zwischen den Sprachregionen und stellt dabei sicher, dass auch die Randregionen und die kleinen Kantone ein gutes Radio- und Fernsehangebot kriegen. Die SRG sendet nicht nur von Zürich aus. Sie hat auch Studios in St. Gallen, Solothurn oder Brig, ja auch in Chur. Wir haben auch in den kleinen Regionen noch kleine Studios. Das sind auch Arbeitsplätze. Wir können schon sagen, es sei nicht entscheidend, in den Randregionen diese Studios zu haben. Dann müssen wir einfach nicht überrascht sein, wenn in den Randregionen allmählich keine Leute mehr wohnen wollen. Da kann man sich fragen, ob das schlimm sei oder nicht. Darüber kann man diskutieren. Aber wir möchten in unseren Regionen weiterhin wohnen und leben.
Nun komme ich zum Gegenvorschlag: Auch der Gegenvorschlag wäre ein Schlag für unser Land. Denn die Konsequenzen wären ebenfalls massiv, ausser Sie möchten, dass die SRG weniger selber produziert und auch produzieren soll und nur noch von einem Standort aus sendet. Ja, es ist sicher, dass das dann Zürich oder Bern wäre. Auch hier würden die Randregionen wiederum verlieren.
In diesem Sinne bitte ich Sie als Romantsch, die No-Billag-Initiative wie auch den Gegenvorschlag zur Ablehnung zu empfehlen. La Rumantschia less engraziar.