Fricker Jonas · Nationalrat · 2017-09-28
Fricker Jonas · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2017-09-28
Wortprotokoll
Heute haben wir die Chance, die Welt ein bisschen besser zu machen, und zwar mit einem Ja zum fairen Handel mit Lebensmitteln. Lebensmittel sind nicht einfach irgendwelche Produkte. Wir nennen sie Lebensmittel, weil sie Mittel zum Leben sind. Sie sind überlebensnotwendig.
Unsere Nationalratskollegin und Biobäuerin Maya Graf hat in ihrem Votum treffend formuliert: "So, wie wir essen, so sieht die Welt aus." Die Welt der Schweiz sieht im Moment wie folgt aus: 50 Prozent unserer Lebensmittel werden importiert. Das ist ja gut, dagegen habe ich nichts. Das gibt Diversität. Aber wir wollen kein reines Preisdiktat auf dem Buckel von Umwelt, Mensch und Nutztieren. Wir wollen einen fairen Handel. Wir wollen sicher sein, dass unsere importierten Lebensmittel eine gute Qualität haben und sicher sind. Sie sollen umwelt- und ressourcenschonend, tierfreundlich und unter fairen Arbeitsbedingungen produziert worden sein, genau so, wie das in der Schweiz grösstenteils der Fall ist. So, wie wir essen, so sieht die Welt aus.
Wir alle hier drin im Saal wissen, dass immer noch Fleisch und Eier aus Massentierhaltung in den Regalen unserer Läden landen, und das ohne transparente Deklaration. Übrigens ist auch Hormonfleisch in der Schweiz nicht verboten. Sie kennen die Bilder, ja sogar die Dokumentarfilme aus Europa, die die unsägliche Massentierhaltung belegen, Transporte in den sicheren Tod. Als ich das letzte Mal so eine Dokumentation von Transporten von Schweinen gesehen habe, sind mir unweigerlich die Bilder der Massendeportationen nach Auschwitz aus dem Film "Schindler's List" hochgekommen. Ich kann nichts dafür, das ist einfach so passiert. Die Menschen, die dort deportiert wurden, die hatten eine kleine Chance zu überleben. Die Schweine, die fahren in den sicheren Tod. So, wie wir essen, so sieht die Welt aus.
Wir wissen, dass skandalöse Arbeitsverhältnisse bei der Herstellung von Lebensmitteln weit verbreitet sind, auch in Europa. Wir wissen, dass die Herstellung, der Transport und die Entsorgung unserer Lebensmittel rund 30 Prozent unserer Treibhausgasemissionen ausmachen, und wir wissen, dass die grossflächigen Monokulturen und der dortige Gifteinsatz unsere Biodiversität bedrohen. So, wie wir essen, so sieht die Welt aus.
Wir wissen um unsere Lebensmittelverschwendung, dass ein Drittel der Lebensmittel bei uns heute im Abfall landet und dass die Hälfte davon bereits auf dem Weg in die Verkaufsregale verlorengeht. So, wie wir essen, so sieht die Welt aus.
Die Schweiz ist Innovationsweltmeisterin. Gerade gestern habe ich im Radio gehört, dass die Schweiz laut einer Studie des WEF zum neunten Mal hintereinander zum wettbewerbsfähigsten Land der Welt erklärt wurde. Ich bin stolz darauf, dass die Schweiz Innovationsweltmeisterin ist, und ich denke, Sie sind es auch. Die Schweiz ist an der Spitze, sie ist die Nummer eins, sie führt das Feld an, und die anderen schauen auf uns: Was macht die Schweiz?
Aus dieser Tatsache folgt aber auch eine besondere Verantwortung in der Weltgemeinschaft. Wir haben eine Leaderrolle. Wir sind ein Vorbild, wir haben eine Vorbildfunktion. Die haben wir sowieso - jetzt ist nur die Frage, wie wir sie gestalten. Zudem haben wir auch das Privileg, dass wir als Gesellschaft nicht täglich ums Überleben kämpfen müssen. Die Schweiz hat genug zu essen. Schauen wir den Tatsachen nochmals in die Augen:
1. Die Schweiz hat genug zu essen.
2. Die Schweiz ist Innovationsweltmeisterin und hat folglich eine Vorbildfunktion.
3. Wir kennen die Missstände.
Diese Tatsachen lassen für mich nur eine Schlussfolgerung zu: Wir müssen unsere Verantwortung wahrnehmen und klare Rahmenbedingungen für eine faire und nachhaltige Lebensmittelproduktion schaffen. Mit einem Ja zur Fair-Food-Initiative können wir das heute tun, damit die Welt dank der Schweiz ein bisschen besser wird.