Häsler Christine · Nationalrat · 2017-09-28
Häsler Christine · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2017-09-28
Wortprotokoll
Ich erlaube mir, nicht bei den internationalen Beziehungen einzusteigen, sondern ganz in der Nähe. Ich habe meine Wurzeln in der Berner Oberländer Berglandwirtschaft. Das prägt, und es gibt ein Urverständnis dafür, wie wichtig ethische Grundsätze wie das Tierwohl, nachhaltiges Wirtschaften und eben auch faire Preise für Bauernfamilien, für Arbeiterinnen und Arbeiter in der Landwirtschaft sind. Da ist viel Handarbeit, viel harte Arbeit nötig, und es sind viele innovative Ideen nötig, in der Schweizer Landwirtschaft ebenso wie über unsere Grenzen hinaus.
Darüber sprechen wir eben auch, wenn es um fairen Handel und um faire Preise geht: über Menschen, die den Boden noch mit ihren eigenen Händen bearbeiten, in der Schweiz und ausserhalb unserer manchmal etwas gar engen Tellerrandgrenzen. Wir sind es diesen Menschen schuldig, in solchen Momenten auch aufzuzeigen, wie hart gearbeitet wird, bis ein Produkt auf dem Teller, auf dem Tisch ist - hier bei uns, in der Berglandwirtschaft, in der Landwirtschaft im Mittelland, aber eben auch weltweit. Nein, die Milch kommt nicht aus dem Milchkarton und nicht aus dem Grossverteiler. Und ja, es ist wesentlich, ganz wesentlich, wie ein tierisches Produkt hergestellt wurde, wie das Tier lebte und wie es starb oder getötet wurde, bevor es auf unseren Teller kam. Es ist wesentlich, dass wir uns diese Sachen auch vor Augen führen. Wir dürfen uns nicht darum foutieren, wie viel Tierleid in Massenprodukten und in Billigprodukten steckt. Tierliebe muss deutlich weiter gehen als nur dahin, Bilder unserer lieben Katzen und Hunde in den sozialen Medien zu posten. Wer das Tier respektiert, der denkt eben auch beim Einkauf daran, und er denkt eben auch im politischen Engagement daran. Da sind wir heute gefordert, auch wenn wir im Moment etwas wenige sind, die sich damit befassen.
Das Thema Tierschutz ist hier immer wieder auf der Traktandenliste. Das zeigt, dass es uns wichtig ist. Es zeigt auch, dass es der Bevölkerung wichtig ist, die uns immer wieder auch mit ihren Fragen, mit ihren Wünschen konfrontiert. Das Tierwohl, der Tierschutz war eben auch auf der Traktandenliste beim Thema, das vorhin gerade wieder angesprochen wurde, bei der Motion, über die wir im Juni 2016 abgestimmt haben, die gleich lange Spiesse für inländische Nahrungsmittelprodukte und für Nahrungsmittelimporte forderte. Im genauen Wortlaut ging es ja darum, die gesetzlichen Grundlagen so anzupassen, dass alle in die Schweiz importierten tierischen Produkte der ersten, zweiten und dritten Produktionsstufe den schweizerischen Gesetzgebungen im Bereich des Tierschutzes unterstellt werden müssen. Ich habe damals sehr gerne im Sinne der Sache zugestimmt und mit mir die ganze grüne Fraktion - ja, wir haben Ihrer Motion damals zugestimmt, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der SVP-Fraktion, weil uns das Tierwohl am Herzen liegt wie offenbar Ihnen auch.
Am vergangenen Wochenende hat die Schweizer Bevölkerung zusätzlich bewiesen, dass ihr gesunde und nachhaltig produzierte Lebensmittel sehr wichtig sind. Das starke Ja zur Ernährungssicherheit ist auch ein klares Ja zu gesunden, zu nachhaltigen, zu fairen und auch zu einheimischen Produkten, wie es Kollege Hausammann vorhin gesagt hat. Prioritär die einheimischen, die guten Produkte auch aus unserem Land zu konsumieren, auch das ist ein Teil, der dazugehört. Die Bauernfamilien in unserem Land verdienen es, dass ihr Wirken gewürdigt wird und dass ihre Produkte einen anständigen und fairen Preis erzielen können. Die Bauernfamilien, die für uns Ananas, den Kaffee und die Rohstoffe für unsere Schweizer Schokolade produzieren, verdienen das ebenso. Dazu können wir mehrfach beitragen: Als Konsumentinnen und Konsumenten können wir natürlich dazu beitragen, aber eben auch hier drinnen mit den richtigen politischen Schritten.
Wenn es Ihnen um die Sache und nicht um den Absender geht, dann sollten Sie die Fair-Food-Initiative zur Annahme empfehlen. Denn wir sprechen auch über ein Anliegen, zu dem die grosse Mehrheit der Schweizer Stimmbevölkerung im Grundsatz am letzten Wochenende Ja gesagt hat.