Pfister Theophil · Nationalrat · 2002-06-05
Pfister Theophil · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2002-06-05
Wortprotokoll
Ich spreche zur Motion der WBK, nachdem für das ICT-Umschulungs-Gesetz einhellig Ablehnung empfohlen wird. Die SVP-Fraktion lehnt die Kommissionsmotion der WBK grossmehrheitlich ab. Diese Motion ist von der Sache her wenig verständlich, ist doch der wesentliche Inhalt, die Entwicklung von Ausbildungskonzepten, Prüfungen und auch von praxisgerechten Modulen, primär eine Sache der Wirtschaft, des Marktes und der Berufsorganisationen im Verbund mit den Berufsfachschulen.
Vieles von dem, was gefördert werden soll, ist heute schon vorhanden. Lehrmittel werden auf privater und genossenschaftlicher Basis entwickelt, gepflegt und in Konkurrenz angeboten. Es ist darum nicht verständlich, wenn parallel dazu mit unverhältnismässig hohen Bundesmitteln das Gleiche nochmals inszeniert wird, dies umso weniger, als gerade die Informatik in ihrer enormen Vielfalt und Schnelllebigkeit - Herr Kofmel hat darauf hingewiesen - am wenigsten für Top-down-Entwicklungen geeignet ist und auch kein realistischer Bedarf seitens der Begünstigten besteht. Dies hat auch der Bundesrat erkannt und sich gegen das ICT-Umschulungs-Gesetz zusammen mit dieser umstrittenen Modulentwicklung im Rahmen des ICT-Gesetzes ausgesprochen. Auch die Wirtschaft, vertreten durch den Schweizerischen Arbeitgeberverband, lehnt dieses Vorgehen klar ab. Die eigenständige Weiterführung der Unterstützung der Informatikausbildung und der "Informatik Berufsbildung Schweiz I-CH" ist ohne eine dominierende Bundesbeteiligung unbestritten. Die Situation in der ICT-Praxis hat sich bekanntlich grundlegend verändert, bewährte und aktuelle Formen der Ausbildung bilden sich im ICT-Bereich von der Basis her heraus und nicht aus einem Bundesbetrieb.
Eine finanzielle und administrative Verflechtung des Bundes mit der im September 2000 gegründeten Genossenschaft I-CH muss nach heutiger Beurteilung zwingend vermieden werden. Mit der in der Motion geforderten Subventionierung sind grösste Risiken verbunden, und nicht zuletzt werden bereits bestehende privatwirtschaftliche Initiativen - Stichwort SIZ - behindert. Der Erfolg der Bundesinitiativen gemäss Motion ist angesichts des ungenügend evaluierten Inhaltes und der Komplexität der Materie absolut unsicher. Es muss daher Aufgabe der Branche bleiben, die Grundsätze der Ausbildung in dynamischen Prozessen selbst zu entwickeln und umzusetzen.
Begrüsst werden unsererseits alle Bemühungen der Verwaltung und der Kantone, schrittweise die Evaluation und Zertifizierung der bestehenden Lehrgänge und Module zu fördern und damit die Transparenz und Effizienz der Informatikausbildung zu verbessern. In diesem Punkt kann ich Kollege Strahm absolut Recht geben. Diese klassische Aufgabe erfordert jedoch keine zusätzliche Motion, keine Gesetzesänderung und keine Millionenkredite. Sie ist im Rahmen der bisherigen Tätigkeit von Bund, Kantonen und Verbänden, analog zu den anderen Berufsrichtungen, zu erarbeiten.
Es gibt heute keine stichhaltigen Gründe mehr, Informatikberufe anders zu behandeln als andere Lehrberufe. Ich bitte den Bundesrat, die hier zur Diskussion stehenden und umstrittenen Subventionen in ihrem gesamten Umfang offen zu legen.
Zusammenfassend folgen die hauptsächlichsten Punkte, die gegen die Motion der WBK sprechen:
1. Bereits bestehende Initiativen in der Ausbildung werden durch eine starke Bundesbeteiligung unnötig verdrängt, bestehende Module und Bildungsgänge werden konkurrenziert und damit abgewertet.
2. Der tatsächliche Aufwand für die Entwicklung und den Unterhalt von aktuellen und praxistauglichen Modulen wird seitens der Geförderten immer noch unterschätzt. Ein Engagement des Bundes führt zu einem Engagement ohne Ende.
[PAGE 727] 3. Eine Evaluation der geförderten Ideen und Konzepte hat nicht stattgefunden. Die Evaluation ist trotz grosser Risiken und hohen finanziellen Aufwandes erst für eine spätere Phase geplant.
4. Die vorgelegten Konzepte sind durch die wechselnden Entwicklungen auf dem ICT-Bildungs- und Arbeitsmarkt stark tangiert und in Frage gestellt. Ein totales oder teilweises Scheitern solcher Vorhaben ist ein absolut realistisches Szenario.
5. Die Situation auf dem ICT-Arbeitsmarkt hat sich dermassen beruhigt, dass die Bildungskonzepte und -inhalte heute im Rahmen des Berufsbildungsgesetzes erarbeitet werden können.
Aus diesen Gründen empfiehlt Ihnen die SVP-Fraktion grossmehrheitlich, die Motion der WBK abzulehnen.