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Schneider Johann N. · Nationalrat · 2002-06-10

Schneider Johann N. · Nationalrat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2002-06-10

Wortprotokoll

Gemäss Armeeleitbild gehen nach einer siebenwöchigen Grundausbildung die Offiziersanwärter einen anderen Weg als die Unteroffiziersanwärter. Herkömmlicherweise konnte man nur Offizier werden, wenn man sich auf der Unteroffiziersstufe bewährte. Zusätzlich sammelte jeder spätere Offizier beim Abverdienen seines Korporalsgrades wertvolle Führungserfahrung.

In den Unternehmungen wird der Erfolg über die mittleren Kader erwirkt. Ihre Fähigkeiten und ihr Commitment entscheiden massgeblich darüber, ob die Unternehmensziele erreicht werden oder nicht. Die mittleren Kader müssen die vorgesetzten Offiziere verstehen können, und diese müssen aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Wissens einschätzen können, wie sie die ihnen unterstellten Soldaten zur optimalen Leistung animieren können. Versteht der Offizier nicht, was die Sorgen und Nöte seiner untergebenen Führungsstufe sind, so kann er darauf nicht adäquat eingehen. Die Führung dürfte dann schnell auf die formelle Autorität reduziert werden. Dass dies kein Erfolgsrezept ist, wissen wir aus den Betrieben wie aus der "Armee 95" nur zu gut. Der Unterstellte, dem in schwierigen Situationen sehr viel abgefordert werden muss, will wissen und sogar sicher sein, dass diejenigen, die ihm das abfordern, auch selbst in der Lage und bereit wären, den verlangten Einsatz zu leisten. Es geht also auch um die Akzeptanz der Führung - einer Führung, die herkömmlich durch den Tatbeweis legitimiert war.

Auf diesen Vorteil darf meines Erachtens nicht verzichtet werden. Die Wirtschaft verspricht sich gerade von der lückenlosen Karriere Kader, die wertvolle Erfahrungen auf allen Stufen sammeln und nutzbringend in die Firmen zurücktragen. So, wie der Artikel 55 und der zur Diskussion stehende Artikel 56 abgefasst sind, kann der Bundesrat die Dauer der Unteroffiziersschule und des anschliessenden Ausbildungsdienstes festlegen. Damit sind die Optimierungsmöglichkeiten gegenüber heute gegeben. Offizier kann man also auch werden, ohne dass die Gesamtdauer gegenüber dem Armeeleitbild verlängert werden muss.

Ich erwarte von der Wirtschaft, von den Unternehmern und Managern, dass sie der Armee der Zukunft ihre Leute zur Verfügung stellen.

Ich erwarte genauso, dass die jungen Leute die wertvollen Lebens- und Führungserfahrungen auf allen Stufen machen können und bestehen wollen.

In diesem Sinne bitte ich Sie, meinem Antrag zuzustimmen.