Lexipedia

Fiala Doris · Nationalrat · 2017-12-11

Fiala Doris · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2017-12-11

Wortprotokoll

Wenn sich engagierte Frauen von links bis rechts gemeinsam einsetzen, darf man davon ausgehen, dass ein relevantes Anliegen zur Diskussion steht. Wir versuchen, unsere Voten inhaltlich etwas aufzuteilen. Ich möchte mit einem Zitat beginnen.

Anlässlich der Premiere des Schweizer Films "Die göttliche Ordnung" haben Sie, Herr Bundesrat, in einer eindrücklichen Rede nicht nur Frauen aller Generationen und nicht nur Feministinnen bewegt, als Sie sinngemäss sagten, die Provinz sei kein Ort, sondern ein Zustand im Kopf. Das ist mir wahnsinnig gut in Erinnerung geblieben - und nicht nur zu diesem Thema. Sie spielten darauf an, wie hart der Kampf um das Frauenstimmrecht in der Schweiz damals war. Die Thematik wurde in der "Göttlichen Ordnung" mit der nötigen Ernsthaftigkeit, mit Würde und nicht ohne Humor brillant dokumentiert.

Sie alle haben die DVD des Films auf Ihren Pulten, und fast bedaure ich, dass wir das brillante Werk nicht vor ein paar Tagen bereits erhalten haben. Vermutlich hätte ich Sie dann nur noch sehr wenig davon überzeugen müssen, dass wir heute, zusammen mit dem Kanton Bern, den Fortbestand des national bedeutenden Archivs der Gosteli-Stiftung zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung retten sollten.

Es geht darum, gesetzliche Grundlagen zur subsidiären Finanzierung durch den Bund aufzuzeigen. Leben müssen wir alle vorwärts, aber verstehen müssen wir auch rückwärts. Das heisst: Wer die Geschichte kennt, wird wohl für die Zukunft umsichtige Schlüsse ziehen und den Wert der Vergangenheit nicht einfach als selbstverständlich hinnehmen. Unsere Söhne und Töchter nehmen das Wahl- und Stimmrecht als selbstverständliches demokratisches Recht hin und wahr, obwohl es gar nicht so lange her ist, wie wir alle wissen, dass auch wir Frauen die gleichen Rechte wie die Männer ausüben dürfen. Es geht vergessen, dass zuerst ein schmerzlicher Prozess stattfinden musste, damit wir Frauen heute überhaupt an die Urne gehen können.

Die Gosteli-Stiftung bezweckt die Förderung der Unabhängigkeit, der Zusammenarbeit, des gegenseitigen Verständnisses sowie des solidarischen Wirkens politisch aktiver Frauen auf der Basis liberaler Rechtsstaatlichkeit über die Parteigrenzen hinweg. Die Geschichte der Schweizer Frauenbewegung ist auch unsere, Ihre Geschichte. Marthe Gostelis Archiv ist äusserst bedeutungsvoll, aber die Eigenmittel gehen nach Jahren im Dienste der Öffentlichkeit leider zu Ende.

Bevor ich den Staat jeweils bemühe, frage ich mich als Liberale immer zuerst: Ist es wichtig? Als Zweites frage ich mich: Gibt es einen Markt, der die Finanzierung der Aufgabe regeln würde? Und falls nicht, frage ich mich drittens, wie es der Staat regeln kann und wie viel es kostet. Diesen Auftrag bitten wir Sie heute zu unterstützen. Die letzte Frage wollen wir klären: Falls es keinen Markt gibt, wie kann der Staat die Finanzierung regeln, und wie viel wird das kosten? Damit sind Sie, Herr Bundesrat, aus unserer Sicht nun beauftragt, nämlich die nötigen Abklärungen zu treffen, wie wir das Gedächtnis, die geschichtlich wichtigen Dokumente sowie das Archiv retten und erhalten können.

Ich danke, wenn Sie unsere Bemühungen teilen und unserem Postulat so das nötige Gewicht verleihen.