Graf Maya · Nationalrat · 2017-12-11
Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2017-12-11
Wortprotokoll
In meiner Motion geht es nicht darum, Tierversuche grundsätzlich zu verbieten, sondern darum, dass belastende Versuche an Primaten aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen nicht mehr zeitgemäss sind. Sie verursachen sehr viel Leid, ein Erkenntnisgewinn kann aber nicht festgestellt werden. Zudem erfolgt die Güterabwägung leider einseitig, und dies, obwohl die Eidgenössische Kommission für Tierversuche und die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich in ihrem Bericht bereits 2006 etwas anderes empfohlen haben. Es braucht eine Güterabwägung, und diese erfolgt - das sehen wir am Beispiel der Uni Zürich - heute einseitig zugunsten der Forschung. Die beiden eidgenössischen Fachkommissionen halten nämlich fest, dass Primaten aufgrund ihrer kognitiven sowie emotionalen Fähigkeiten eine Sonderstellung zukäme und dass belastende Versuche aufgrund dessen für die sensiblen, intelligenten Tiere unzumutbar seien. Heute aber wird im Wettbewerb um immer mehr Primatenversuche in der Schweiz einfach darüber hinweggegangen - [PAGE 2056] auf Kosten dieser leidensfähigen, uns nahe verwandten Lebewesen.
Daher braucht es dieses Verbot von belastenden Primatenversuchen als Rahmenbedingung und als Chance. Ein Verbot dieser grausamen Affenversuche gefährdet die biomedizinische Forschung und die Sicherheit der Medikamente nämlich in keiner Weise. Tausende Affen werden und wurden unter Angst, Schmerz und Leid den Versuchen der Forschung geopfert, ohne dass daraus in den letzten Jahrzehnten neue Therapien oder Medikamente zur Behandlung von Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Krebs resultiert hätten. Nein, es muss im Gegenteil festgestellt werden, dass die Primaten diese Zivilisationskrankheiten gar nicht auf natürliche Weise bekommen. Das heisst, sie müssen zuerst krank gemacht werden, damit man nachher an ihnen forschen kann. Es zeigt sich bei der modernen Forschung auch immer deutlicher, dass Resultate von Tierversuchen auch mit Primaten nicht eins zu eins auf Menschen übertragen werden können.
Ein weiteres Argument für ein Verbot ist, so scheint mir, in der heutigen Zeit besonders wichtig: Es gibt heute, in der digitalisierten Wissenschaftswelt, unendlich viele Möglichkeiten, Organismen und die Auswirkungen von Krankheiten an Computermodellen oder mithilfe anderer Technologien nachzubilden und zu studieren, mit In-vitro-Verfahren beispielsweise oder mit der Methode "Organs on a Chip". Die Digitalisierung schreitet rasant voran, weshalb es unverständlich ist, wieso gewisse, ja viele Forscher trotzdem immer noch nach Primatenversuchen rufen, obwohl sie überholte Versuchsansätze haben.
Schliesslich: Diese jährlich von der öffentlichen Hand aufgewendeten Millionen - fast 100 Millionen Franken an öffentlichen Geldern werden pro Jahr insgesamt für Tierversuche ausgegeben, inklusive fragwürdiger Primatenversuche - könnten in längst etablierten Methoden eingesetzt werden, welche Tierversuche ersetzen würden. Diese Innovation würde die Schweiz weltweit an die Spitze der biomedizinischen Forschung bringen, nicht aber das Beharren auf veralteten, unwürdigen Methoden, die auf Kosten unserer nächsten Verwandten im Tierreich gehen. Kürzlich haben die Niederlande bekanntgegeben, dass sie bis 2025 auf Tierversuche gänzlich verzichten, dies mit dem Ziel, führend in der Innovation zu werden. Auch der Forschungsstandort Schweiz könnte viel mehr davon profitieren, wenn er auf innovative Alternativmethoden setzen würde, anstatt auf veraltete und unwürdige Primatenversuche. Das Feld der Alternativmethoden bietet diese Möglichkeit. Wichtig ist zudem, dass diese Alternativmethoden in der Regel sicherer, günstiger und schneller sind als Tierversuche.
Aus all diesen und noch viel mehr Gründen - die Zeit läuft ab - bitte ich Sie, heute diesen ersten wichtigen Schritt zu machen und meine Motion für ein Verbot von belastenden Tierversuchen an Primaten anzunehmen.