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Allemann Evi · Nationalrat · 2018-03-01

Allemann Evi · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2018-03-01

Wortprotokoll

Ich bin eine Alltagsvelofahrerin. Deshalb liegt es nahe, dass ich Mitglied dieses Initiativkomitees und in meiner Funktion als VCS-Präsidentin auch Vizepräsidentin des Trägervereins der Velo-Initiative bin.

Als Velofahrerin im Alltag - ich habe sogar heute versucht, mit dem Velo hierherzukommen, bin aber dann die letzte Meile noch gerannt - stelle ich immer wieder fest, dass wir keine eigentliche Velokultur für den Alltagsverkehr in der Schweiz haben, obwohl sich immer mehr Leute in den Städten entscheiden, mindestens für kurze Distanzen und wenn sie nicht viel Gepäck haben, das Velo zu nehmen.

In den Städten steigt der Veloanteil am Gesamtverkehr. Das ist auch gut so. Immer mehr Leute pendeln dank des E-Bikes auch über längere Distanzen mit einem Zweirad. Dieser Trend zum Velo entlastet das Verkehrssystem schon heute, aber das Potenzial wäre noch unendlich viel grösser, wenn wir mit geeigneten Massnahmen dafür sorgen würden, dass die Velowege sicherer und attraktiver werden. 50 Prozent aller Autofahrten und 80 Prozent aller Tram- und Busfahrten sind nicht länger als fünf Kilometer. Mit geeigneten Massnahmen liesse sich der Anteil des Veloverkehrs wesentlich erhöhen.

Die Schweiz hat, verglichen mit dem Ausland, einen starken Nachholbedarf in Sachen Veloförderung. In der Schweiz könnte die Anzahl Fahrten mit dem Velo zur Arbeit oder zur Schule massiv erhöht werden - nicht nur zur Entlastung des Verkehrssystems und zur effizienten Fortbewegung, sondern auch zugunsten der Gesundheit.

Viele Menschen würden im Alltag gerne ihr Velo benutzen, fühlen sich aber auf dem Velo nicht sicher genug. Damit wir das ändern können, müssen die Velowege, die Velonetze attraktiver und sicherer werden. Dazu leisten sowohl die Initiative wie auch der Gegenvorschlag einen wesentlichen Beitrag. Velofahren und Mountainbiking sind zudem wachsende Säulen des Tourismus. Heute würde man es nicht meinen, es sieht nicht danach aus, aber es ist dennoch so, dass die Winter schneeärmer werden und die Schneefallgrenze steigt. Damit gewinnt das Mountainbiking gerade für Bergregionen an Bedeutung, und davon profitieren auch die Bergbahnen, die mit sinkenden Passagierzahlen beim Schneesport zu kämpfen haben. Auch für den Tourismus ist es gut, wenn der Bund künftig die Veloförderung an die Hand nimmt und eine koordinierende Rolle einnimmt.

Die vorliegende Version des Gegenvorschlages nimmt, wie die Initiative, auch Rücksicht auf Gemeinden und Kantone. Initiative oder Gegenvorschlag - das ist die Frage. Die Trägerschaft der Velo-Initiative ist nach wie vor der Meinung, dass die Initiative dem Gegenvorschlag leicht überlegen ist, denn sie definiert den Auftrag etwas klarer. Trotzdem ist die Trägerschaft der Initiative bereit, den Rückzug der Initiative in Betracht zu ziehen, und zwar, sofern der Gegenvorschlag in der vorliegenden Form, also gemäss Mehrheit der KVF-NR, Ständerat und Bundesrat, vom Nationalrat beziehungsweise dann von der gesamten Bundesversammlung gutgeheissen wird. Das setzt aber voraus, dass Sie heute der Mehrheit folgen und den Antrag der Minderheit Hurter Thomas ablehnen, die den Gegenvorschlag abschwächen will.

Ich bitte Sie im Namen der SP-Fraktion, der Velo-Initiative oder zumindest dem Gegenvorschlag in der vorliegenden Form zuzustimmen und damit die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass eine Velokultur im Alltag auch in der Schweiz Fuss fasst.