Heim Bea · Nationalrat · 2018-03-01
Heim Bea · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2018-03-01
Wortprotokoll
Vor Jahren gab es einmal ein Lied, das hiess: "Mir sind mit em Velo da", ein Ohrwurm, den alle pfiffen, vor sich hin trällerten, eine Ode aufs Velofahren, dem Gospel "Just Over in the Gloryland" entlehnt. Der Titel wurde sprichwörtlich. Heute ist nicht mehr das Lied der Hit, sondern das Velofahren an sich. Darum besteht klar ein öffentliches Interesse, Infrastrukturen zu schaffen, die nötig sind, damit die Schweiz ein Veloland wird.
Das Velo ist das ideale Verkehrsmittel im Nahverkehr. Es ist schneller, wendiger als der motorisierte Individualverkehr. Es ist energetisch rationeller als der motorisierte Individualverkehr und schont die Umwelt, hält fit, schlank, gesund. Wer also in sichere, bequeme Velowege investiert, investiert in die Volksgesundheit, damit Jung und Älter beweglich und leistungsfähig bleiben. [PAGE 136]
Wer in sichere Velorouten investiert, investiert auch in den Tourismus. Heute generieren touristische Velowege in der Schweiz pro Jahr einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Franken, Tendenz steigend. Es geht natürlich nicht immer ohne Friktionen, zum Beispiel mit Wandernden. Aber die vorliegende Initiative und auch der Gegenentwurf fördern hier das Miteinander und stärken einen zunehmend wichtig werdenden Pfeiler des Sommertourismus.
Noch grösser als der touristische Nutzen ist der gesellschaftliche. Velofahrerinnen und Velofahrer machen etwas für ihre Gesundheit, ganz im Sinn der vielgerühmten Eigenverantwortung. Sie sparen damit Gesundheitskosten und letztlich Krankenkassenprämien. Sie entlasten mit ihrem Velofahren aber auch die Infrastruktur, auch für Autofans wie Kollege Erich Hess. Diese profitieren auch davon. Zudem sind Fahrradinfrastrukturen deutlich kostengünstiger als Strassen für Motorfahrzeuge. Wenn mehr Leute Velo fahren, wird das gesamte Verkehrssystem weniger belastet und werden Verkehrsspitzen geglättet.
Die Zahlen wurden erwähnt, sie sprechen für sich. Die Hälfte aller Autofahrten ist nicht länger als fünf Kilometer, bei den Tram- und Busfahrten sind es gar 80 Prozent. Wo die Fahrradwege attraktiv, bequem, sicher, durchgängig und sinnvoll mit dem öffentlichen Verkehr verknüpft sind, steigen noch mehr Menschen aufs Velo um.
Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass so der Veloverkehr mindestens verdoppelt werden kann. Das schafft dann auch, wie gesagt, mehr Platz für jene, die das Auto brauchen und die das Auto lieben. Kurz: Wer den Veloverkehr fördert, bekommt viel Sinnvolles für wenig Geld.
Die Gemeinden, Städte und Kantone haben sich für den Gegenentwurf ausgesprochen. Sogar der TCS hat das getan. Ich bin zwar weiterhin der Überzeugung, dass die Initiative grundsätzlich besser ist als der Gegenentwurf. Aber in der Fassung des Bundesrates und des Ständerates, hinter die sich ja auch die KVF stellt, ist auch der Gegenentwurf zielführend, obwohl er nach der Vernehmlassung in etlichen Punkten abgeschwächt wurde. Eine weitere Verwässerung erträgt es nicht.
Ich bitte Sie deshalb, dem Gegenentwurf in der Fassung der Mehrheit zuzustimmen. Die Schweiz wird für Radfahrende damit zwar nicht gerade zum Gloryland, aber doch immerhin zu einem besseren, sicheren, touristisch attraktiven Platz.