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Giezendanner Ulrich · Nationalrat · 2018-03-08

Giezendanner Ulrich · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2018-03-08

Wortprotokoll

Unbestrittenermassen sind die Vertreter des schweizerischen Transportgewerbes in diesem Saal Adrian Amstutz und meine Wenigkeit. Uns ist es fast peinlich, was wir von Ihnen in den letzten zwanzig oder vierzig Minuten an Komplimenten bekommen haben. Ja, natürlich, Herr Burkart, Herr Grossen, Frau Rytz - Frau Amherd hat uns ja Blumen gebracht -, das habe ich noch nie erlebt in diesem Saal. Es ist ja auch unbestritten, dass es die privaten Transportunternehmer sind, Herr Burkart hat es gesagt, die die Verlagerung fertiggebracht haben! Ja, wenn Sie heute nach Hause fahren, schauen Sie auf die Schiene. Sie müssen die Augen offen halten, und Sie werden keinen einzigen Container der SBB finden. Sie finden Container von Bertschi, Schöni, Giezendanner, Dreier - von all diesen. Dann in Aarau, wenn Sie dort anhalten, schauen Sie aus dem Fenster, schauen Sie auf die Bahnwagons, und wieder werden Sie feststellen: nichts von der Bahn. Alle Bahnwagons gehören Kombiverkehr in Frankfurt oder Hupac in Chiasso - ich gebe noch meine Interessen bekannt: Ich bin da beteiligt, und ich freue mich darüber. Aber Sie finden nichts von der Bahn, gar nichts von der Bahn! So sieht es aus. Deshalb strahlen Herr Amstutz und ich heute so.

Jetzt haben Sie diesen Verlagerungsbericht sehr genau angeschaut. Ich attestiere Ihnen, Frau Rytz, dass wir in dieser Kommission wirklich ein gutes Verhältnis zueinander haben; es ist auch schön, dass es das in diesem Land noch gibt. Aber schauen Sie nicht nur die Berichte an. Schauen Sie die Tatsachen an, analysieren Sie - analysieren Sie! Sie sagen, in der Schweiz seien 71 Prozent des alpenquerenden Güterverkehrs auf der Schiene, in Österreich seien es 27,9 Prozent und in Frankreich sei da bald gar nichts mehr; da ging alles zurück. Aber der Strassenverkehr über den Grand-Saint-Bernard, über den Brenner, der ging zahlenmässig rauf. Und wissen Sie: Die Luftbelastung macht nicht an der Grenze halt, die geben uns ihren Dreck auch in die Schweiz rein. Jetzt müssen wir auch europäisch schauen. Ja, ja, ich bin europäisch, Frau Bundesrätin Leuthard! Sehen Sie, ich bin ein Europäer, aber kein EU-Mitglied! (Heiterkeit)

Schauen Sie sich den Verlagerungsbericht genau an, ganz genau an. Verlagerung heisst nicht nur Richtung Nord-Süd - Sie haben alle von Nord-Süd gesprochen -, das heisst Richtung Ost-West. Da könnte man viel, viel mehr verlagern. Vor zwölf Jahren habe ich in St. Gallen-Winkeln einen Terminal gebaut. In Anwesenheit von Toni Brunner und Jakob Büchler habe ich diesen Terminal eingeweiht. Wir haben in jener Zeit 1,2 Millionen Tonnen Zement und Salz von der Strasse auf die Schiene verlagert. Aber es wären 1,5 Millionen Tonnen, wäre da nicht ein Unternehmen namens SBB.

Die SBB hatten in St. Gallen-Winkeln, an mein Grundstück angrenzend, wunderschöne Gleise. Wir wollten sie kaufen oder pachten; der Liegenschaftsdienst der SBB sagte aber, das komme gar nicht infrage, da kämen Mehrfamilienhäuser drauf. Das Bundesamt für Verkehr hat das gehört, Herr Dr. Füglistaler hat sich noch bei Herrn Meyer für uns eingesetzt. Wissen Sie, was die SBB gemacht haben, weil sie Angst vor dem Fuhrhalter Giezendanner hatten? Sie haben die Gleise rausgerissen, damit wir ja nicht verlagern könnten. Das ist Verlagerung in der Realität! Das müssen Sie einfach wissen.

Ich gehe noch einen Schritt weiter. Der weitere Schritt heisst Rastatt. Erinnern Sie sich an letzten September, an letzten August? Rastatt? Eine Katastrophe! Nichts ging mehr. Gar nichts ging mehr. Wir werden das nächstes Jahr in den Zahlen für das letzte Jahr sehen. Was ist zwischenzeitlich passiert? Sie alle staunen, ich auch: nichts! Blabla bei den oberen Chefs der Bahnen - und fertig. Nichts ist passiert, kein Plan B, nichts. Das Geld - 3 Millionen Franken für Kombiverkehr in Frankfurt - ist geflossen. Ich bin da beteiligt, ich freue mich. Aber als Giezendanner, als derjenige, der wirklich verlädt, habe ich gar nichts bekommen. Das sind die Fakten. Nationalrat Thomas Ammann von der CVP hat sich für uns eingesetzt - herzlichen Dank! Gegangen ist aber gar nichts.

Zum Schluss hoffe ich aber doch, dass Frau Bundesrätin Leuthard, unsere Bundesrätin aus dem Aargau, irgendwo in ihrem Departement noch eine Schatulle hat. Dann soll sie einen Einzahlungsschein nehmen - Konto 461922-3, Zahlungszweck Opfer Rastatt -, das Geld schicken, und dann bekomme ich es. (Heiterkeit)