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AB 229011

de Buman Dominique · Nationalrat · Freiburg · CVP-Fraktion · 2018-05-28

Wortprotokoll

Je dois commencer cette session d'été par un moment de tristesse.

Dass ich die Sommersession mit einem Nachruf eröffnen muss, stimmt mich traurig. Ende Februar sass Alexander Tschäppät noch hier in diesem Saal. Er liess sich nicht unterkriegen. Wir alle bewunderten ihn für diese Tapferkeit und hofften auf ein Wiedersehen: Nun ist sein Platz leer; unser Ratskollege ist am vergangenen 4. Mai im Alter von 66 Jahren gestorben.

Ich möchte seiner Partnerin, seiner Familie, seinen Freunden - sie sind zahlreich - mein herzlichstes Beileid aussprechen, dies auch im Namen der Bundesversammlung. Wir alle sind in Gedanken bei den Trauernden. Wir wünschen ihnen viel Kraft, diese schwere Zeit zu ertragen und den grossen, schmerzvollen Verlust zu verarbeiten. Alexander Tschäppät, Alex, wird auch uns und unserem Rat fehlen.

Nous avons été tous les deux maires de villes fondées par les Zähringen, ces villes "neuves" du Moyen-Âge que leurs fondateurs voulaient voir rayonner comme des cités antiques. Le club des villes fondées par les Zähringen compte de nombreux membres. Alexander Tschäppät a relevé le défi avec panache. En tant qu'ancien syndic de Fribourg, j'estime à leur juste valeur les efforts déployés par le maire de Berne, mon ancien collègue, pour hisser sa ville en haut du classement des cités où il fait bon vivre et pour lui assurer la visibilité qu'elle mérite dans le monde scientifique. Alexander Tschäppät a donné à la Ville fédérale sa vraie grandeur.

Wie eng er mit seiner Stadt, der "schönsten Stadt der Welt", verbunden war, lässt sich bereits aus seinem Lebenslauf ablesen. Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte er das Gymnasium Kirchenfeld in Bern, um danach an der Universität seines Geburtsortes Recht zu studieren. Er schloss sein Studium 1979 mit dem Staatsexamen zum Bernischen Fürsprecher ab. Von 1982 bis 2000 war er Gerichtspräsident im Gerichtskreis der Stadt Bern. 2001 wählten ihn die Bernerinnen und Berner in die städtische Exekutive, wo er die Direktion für Planung, Verkehr und Tiefbau übernahm. Am 1.[NB]Mai 2005 wurde er Stadtpräsident von Bern - und er übte dieses Amt nicht einfach aus, sondern lebte es mit Herz und Seele. Die Rolle war ihm auf den Leib geschneidert, und er verteidigte "sein" Bern, die Bundesstadt, mit Verve und Leidenschaft und auch mit Humor. Er war ihr bester Botschafter.

Der Sprung von der lokalen Politbühne auf das nationale Parkett gelang Alexander Tschäppät ein erstes Mal im Herbst 1991: Der Sozialdemokrat wurde in den Nationalrat gewählt. In seiner ersten Legislaturperiode war er zunächst Mitglied der Staatspolitischen, danach der Sicherheitspolitischen Kommission. Nach der ersten Wiederwahl in die Grosse Kammer galt sein Augenmerk der Exekutive. Als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission sowie der Geschäftsprüfungsdelegation überwachte und kontrollierte er die Arbeit von Bundesrat und Verwaltung. Während seines Kommissionspräsidiums, von 1997 bis 1999, untersuchte die Geschäftsprüfungskommission unter anderem die Wirksamkeit der Kurzarbeitsentschädigung, die Personalpolitik des Bundes sowie den Ausgleichsfonds der AHV. Auch in seiner dritten Legislatur, von 1999 bis 2003, lag der Fokus seiner parlamentarischen Tätigkeit bei der Oberaufsicht. Unter Alexander Tschäppäts Präsidium, von 2001 bis 2003, durchleuchtete die Geschäftsprüfungsdelegation die Kontakte des Schweizer Nachrichtendienstes zu Südafrika während des Apartheidregimes, und sie führte eine Kontrolle über das Satellitenabhörsystem Onyx durch.

Am Ende der 46. Legislatur trat Tschäppät nicht zur Wiederwahl an. Er kehrte jedoch nach achtjähriger Absenz 2011 wieder ins Bundeshaus, in "sein" Haus, zurück. Nachdem er es auf den ersten Ersatzplatz geschafft hatte, konnte er bereits einen Monat später auf einen freiwerdenden Sitz nachrutschen. Ein "angenehmer Nebeneffekt" der Wahl von Parteikollege Hans Stöckli in den Ständerat sei dies, sagte Alexander Tschäppät dazu. Er nahm wiederum Einsitz in der Geschäftsprüfungskommission. Aus der langjährigen Erfahrung eines Exekutivpolitikers wusste er ganz genau, wo in der Geschäftsführung von Regierung und Verwaltung Schwachstellen liegen könnten.

In den vergangenen zwei Jahren legte er als Präsident der Subkommission EFD/WBF den Schwerpunkt unter anderem auf die Folgen von Freihandelsabkommen (2017), auf die flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit (2017) [PAGE 582] sowie auf die Qualität der Berufsbildung (2016). Zudem war er in der Kommission für Rechtsfragen und in der Neat-Aufsichtsdelegation engagiert. Als ehemaligem Gerichtspräsidenten war ihm das Recht nicht nur aus den Büchern geläufig. Er wusste, was es bedeutet, dieses anzuwenden. Bei der Gesetzgebung hatte er immer auch die Menschen vor Augen. Deshalb war es ihm auch so wichtig, Lösungen zu finden, die im Einzelfall nicht nur richtige, sondern auch gerechte Entscheide möglich machen. Gleichzeitig hatte er ein feines Gespür für die systematischen Zusammenhänge der Rechtsordnung. Es war ihm ein Anliegen, dass die Entscheidungen des Gesetzgebers eine innere Kohärenz aufweisen.

Alexander Tschäppät gehörte zu jenen Persönlichkeiten, die mich und vermutlich alle hier im Saal nicht gleichgültig liessen. Er war spontan, direkt und hatte ein ausgeprägtes Gespür für Menschen: Mit einem Arbeiter konnte er sich ebenso gut unterhalten wie mit einem Hochschulprofessor. Selten war er um einen träfen Spruch oder eine pointierte Antwort verlegen. Er fand rasch Kontakt zu den Menschen und meinte, "zäme schnurre" - reden - sei wichtig, besonders dann, wenn Probleme gelöst werden müssten. Er war unverblümt und nahm kein Blatt vor den Mund. Aber die einfache, verständliche Sprache schloss einen inhaltlichen Tiefgang seiner Standpunkte nicht aus. Im Nationalrat trat unser verstorbener Kollege nicht oft ans Rednerpult. Wenn er es tat, dann hatte er auch etwas zu sagen, und man hörte ihm zu.

Alexander Tschäppäts Liebe zur Bundesstadt blieb auch uns nicht verborgen, er wusste aber sehr wohl zwischen seinen Rollen als Stadtpräsident und als Nationalrat zu unterscheiden. Wir lernten ihn als seriösen und fleissigen Schaffer kennen, der die Dossiers à fond kannte. Seine Anliegen vertrat er kompetent und unabhängig, und er war überzeugt, dass vor allem in den Kommissionen wichtige parlamentarische Arbeit geleistet wird. Er war ein Vollblutpolitiker, der gestalten und etwas erreichen wollte.

Am Ende seiner ersten zwölf Jahre schrieb Alexander Tschäppät in einer Kolumne: "Ich scheide aus dem Rat aus, und ich gebe zu, dass auch ich bei diesem Spiel der Eitelkeit mitgemacht habe, nicht zuletzt aus Angst davor, bei einem untauglichen Rating irgendeiner Zeitung als Hinterbänkler qualifiziert zu werden."

Lieber Alexander, Dein Leben ist viel zu früh zu Ende gegangen, Du hattest noch so viel vor! Und doch haben wir den Eindruck, dass hier jemand von uns gegangen ist, der viel geleistet und viel erreicht hat. Diese Bewunderung und diese Achtung helfen uns allen ein wenig über unsere Trauer hinweg. Wir danken Dir dafür.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, geschätzte Besucherinnen und Besucher auf den Tribünen, ich bitte Sie, im Gedenken an Alexander Tschäppät aufzustehen.

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Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen[GZ]

L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt

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