Pardini Corrado · Nationalrat · 2018-06-14
Pardini Corrado · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2018-06-14
Wortprotokoll
Habe ich Sie richtig verstanden Frau Vizepräsidentin? Beschränke ich mich auf Artikel 698, die Minderheit Fehlmann Rielle, und zu den restlichen Minderheiten würde ich morgen sprechen? Das müssen Sie entscheiden. (Antwort der Vizepräsidentin: Sì, sì.) Dann beschränke ich mich also auf Artikel 698 Absatz 2 Ziffer 2 und Artikel 708. Diese sind gemeinsam zu betrachten, und es geht hier um eine Vertretung der Arbeitnehmenden in Verwaltungsräten.
Es wäre an der Zeit, dass man die Mitbestimmung und Mitentscheidungsrechte der Belegschaften ernst nimmt. Wir kennen das von der stärksten Volkswirtschaft Europas, nämlich Deutschland, die das Mitbestimmungsrecht in Verwaltungsräten seit der Nachkriegszeit kennt. Es hat sich bewährt, denn die Talente der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Betrieb ergänzen und bereichern die Verwaltungsräte. Leider gehören wir auch in diesem Punkt in der Schweiz nicht zur Avantgarde, bei uns dürfen sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht im Verwaltungsrat artikulieren. Ich glaube, nachdem wir heute einen wichtigen Entscheid gefällt haben - es ist einer der schönsten 14. Juni, die ich erleben durfte - nämlich dass wir in der Geschlechterfrage nun mal einen Schritt nach vorne gemacht haben, wäre es an der Zeit, dass wir auch die Frage der Mitbestimmung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ernst nehmen. Ernst nehmen bedeutet, sie mitentscheiden zu lassen, wenn es um strategische Entscheidungen in ihren Betrieben geht. Denn der Mehrwert in den Betrieben wird nicht in den Chefetagen produziert, sondern in den Werkhallen, in den Büros. Es wäre nur sachgerecht, wenn diese betroffenen Angestellten auch dementsprechend im Verwaltungsrat die Entscheidungen der Firmen mitbestimmen könnten. Es wäre eine Bereicherung, und ich bin überzeugt, dass viele Fehlentscheidungen der Verwaltungsräte korrigiert würden, dass die Verwaltungsräte sich bei ihren Entscheidungen besinnen müssten, wem sie Schaden zufügen, wenn sie bei ihren Entscheidungen nur an die kurzfristige Gewinnoptimierung denken. Es kommt dazu, dass auch die Exzesse bei den Löhnen und die Abzockerei ein Ende hätten, weil gerade die Angestellten wissen, worum es geht. Ich bin sicher, dass Verwaltungsratspräsidenten, die Millionen von Franken abkassieren, sich eines Besseren belehren lassen würden, wenn sie die Stimme der Angestellten in ihren Verwaltungsräten hören würden.
Im Sinne einer Gesundung der Wirtschaft plädiere ich für eine angemessene Vertretung der Arbeit im Verwaltungsrat.