Lexipedia

Engler Stefan · Ständerat · 2018-09-18

Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · CVP-Fraktion · 2018-09-18

Wortprotokoll

Ich bedanke mich beim Bundesrat für die Beantwortung der aufgeworfenen Fragen. Um meine Interessenbindung offenzulegen: Ich bin Präsident des Patronatskomitees des Alpinen Museums der Schweiz (Alps).

Vielleicht wundern Sie sich, warum ich mich für eine Institution mit Sitz in Bern engagiere. Was bewegt mich dazu, mich für das Alps, das Haus der Berge in Bern, zu engagieren? Es ist die Überzeugung, dass wir in unserem Land eine Institution benötigen, die sich unabhängig, kompetent und anschaulich mit den Themen der Alpen sowie des Berggebiets und seiner Bevölkerung auseinandersetzt, und zwar aus einer wissenschaftlichen, aus einer ökonomischen, aus einer gesellschaftlichen und aus einer kulturellen Perspektive.

Berge gehören zur DNA unseres Landes. Was die Schweiz schweizerisch macht, sind die Berge. Sie bedeuten für die Schweiz Herkunft, Identität, aber auch aktuellen Lebens- und Wirtschaftsraum. Dass eine Institution wie das Alps die damit verbundenen Kulturgüter, die Kulturgeschichte sowie Gegenwarts- und Zukunftsfragen modern vermittelt, ist beeindruckend und notwendig und dient letztlich dem Zusammenleben in unserem Land.

Man soll sich vom Begriff "Museum" nicht täuschen lassen. Das Alps hat sich seit mehreren Jahren neu orientiert, im Sinne von mehr Wissens- und Kulturvermittlung. Darin hat es sich seit einigen Jahren einen Leistungsausweis erarbeitet, dies durch eine konsequente und erfolgreiche Umsetzung.

Zur Antwort des Bundesrates auf die in der Interpellation aufgeworfenen Fragen: Erfreulich ist, dass der Bundesrat in seiner Antwort anerkennt, dass das Thema der Berge, der Alpenwelt für unser Land ein wichtiges Thema darstellt. Die Relevanz sowohl des Themas der Alpen wie auch der Institution Alps liegt letztlich in der Bedeutung der Berge für die schweizerische Identität und für den nationalen Zusammenhalt über Sprach- und soziale Grenzen hinweg, in der Bedeutung der Berge für die Wirtschaft, ich denke an den Tourismus, die Freizeitlandschaft und Swissness, in der Bedeutung der Berge in einem europäischen Kontext, denken Sie an die transalpinen Verkehrsverbindungen, in der Bedeutung der Berge als Frühwarnsystem für einen globalen Klimawandel und in der Bedeutung der Berge für das schweizerische Kulturschaffen und Kulturerbe. Niemand wird also bestreiten können, dass die Alpen und dass die Berge viel mit uns, mit unserer Lebensart in der Schweiz zu tun haben.

Zweitens ist es erfreulich, der Stellungnahme des Bundesrates entnehmen zu dürfen, dass der Bundesrat den neu verfolgten Netzwerkansatz im Grundsatz unterstützt und bereit ist, ihn in Zukunft zu stärken. Seit 2011 hat sich das Alps mit aktuellen Ausstellungen und zahlreichen landesweiten Kooperationen zu einem Kompetenzzentrum für die Vermittlung von Berggebietsfragen entwickelt. Die Besucherzahlen [PAGE 688] haben sich in der ganzen Schweiz massiv erhöht. Entsprechend beabsichtigt der Bund, das Alps ab 2019 als nationales Kompetenzzentrum für das alpine Kulturerbe zu unterstützen, was ausserordentlich begrüssenswert ist. Der Bund anerkennt damit die thematisch relevante Orientierung des Alps, und er anerkennt auch die Einzigartigkeit der Institution, indem das Alps künftig als gesamtschweizerisch wirkender Partner für lokale und regionale Akteure im Berggebiet anerkannt wird.

Nun geht das deutlich über die alte Museumsförderung des Alps mit Standort Bern hinaus und ist neu verstärkt zum Nutzen der ganzen Schweiz. Die Netzwerkförderung des Bundes ergänzt somit ideal die bestehende Museumsförderung des Kantons und der Stadt Bern, aber auch des Schweizer Alpen-Clubs, des SAC. Netzwerk und örtliches Museum bilden künftig die duale Struktur des Alps mit entsprechender finanzieller Verantwortung. Das macht die Zuständigkeiten auch klarer - wäre da nicht noch die Frage der künftigen Finanzierung.

Auf strategischer Ebene hat die Trägerstiftung einen wesentlichen Schritt gemacht, indem sie bereit ist, sich im Sinn der Definition des Netzwerks neu auszurichten. Was jedoch noch nicht geklärt ist, ist die Finanzierung dieses Schrittes. Hier übt der Bundesrat in seiner Stellungnahme zur Interpellation vornehme Zurückhaltung. Er gibt kein Signal ab, die dafür benötigten Mittel auch zur Verfügung zu stellen. Netzwerke haben aber eine neue, andere Aufgabe als die klassischen Museen. Sie sind einzigartige, nationale Kompetenzzentren, die mit dem Auftrag der Kontinuität landesweit wirken. Deshalb ist der Bund in die bestehenden Netzwerke - beispielsweise Memoriav, das ist das Netzwerk für das audiovisuelle Erbe, oder die Fotostiftung Schweiz - als Geldgeber wesentlich involviert. Hier besteht beim Alps akuter Handlungsbedarf, will man nicht riskieren, dass es seine Türen schliessen muss.

Wenn der Bundesrat in der Stellungnahme zur Interpellation keinen Hinweis darauf macht, dass er von sich aus bereit ist, die dafür zusätzlich benötigten Mittel zur Verfügung zu stellen, werden wir, das Parlament, dafür in die Verantwortung genommen. Wir müssen uns die Frage stellen: Wollen und können wir uns ein Haus der Berge in der Schweiz - im Alpenland Schweiz - in Zukunft leisten oder nicht?

Es gibt keinen Zweifel, dass wir uns das leisten können. Die Frage ist, ob wir uns das leisten wollen. Wir werden im Rahmen des Budgetprozesses sehen, ob eine Mehrheit dafür zu gewinnen ist, das Haus der Berge in der Schweiz zu erhalten. Erst mit der fortgesetzten und konzentrierten Förderung als Netzwerk wird man nämlich die Zweckbestimmung des Alps auch realisieren können. Erst dann wird man dieses Haus aufgabengerecht und zielorientiert mit grossem Mehrwert für das Land weiterführen können. Immer vorausgesetzt, der Bundesrat macht das mit dem Budget 2019 nicht von sich aus, werden wir im Rahmen der Budgetberatung vor die Frage gestellt: Wollen wir das Alps sterben lassen, oder leisten wir uns als Alpenland ein Haus der Berge? Ich bin zuversichtlich, dass es gelingen kann, in den beiden Räten eine Mehrheit dafür zu gewinnen.

Nochmals besten Dank für die Beantwortung der Interpellation. Affaire à suivre!

Engler Stefan · Ständerat · 2018-09-18 | Lexipedia | Lexipedia