de Courten Thomas · Nationalrat · 2018-09-19
de Courten Thomas · Nationalrat · Basel-Landschaft · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2018-09-19
Wortprotokoll
Herr Gugger, ich danke Ihnen für dieses engagierte Votum und den Hinweis auf Zahlen und Fakten. Fakt ist - ich habe es vorhin schon in einem Votum gesagt -, dass wir für Tabakprävention Millionen Franken ausgeben, dass wir bereits zahlreiche Tabakwerbeverbote beschlossen haben, dass wir Rauchverbote in Restaurants haben, dass wir eine massive Regulierung der Verkaufspunkte in Bezug auf Tabakprodukte haben, und leider ist Fakt, dass die Anzahl der jugendlichen Raucher dadurch nicht abnimmt, sondern in den letzten Jahren wieder zugenommen hat. Das, was Sie wünschen, ist nicht wirkungsvoll.
Zudem zielen Sie auf eine Medienlandschaft, die im Wandel ist, die global geprägt ist, global funktioniert - ob das jetzt Facebook, Instagram, Snapchat, was auch immer ist -, und Sie wollen, dass die Jugendlichen dort keine Anreize mehr finden, selbst mit dem Rauchen zu beginnen. Die Jugendlichen finden es beispielsweise cool, wenn ihre Kollegen Ferienbilder mit Zigaretten in diese Medien stellen; sie finden es cool, diese Bilder mit irgendwelchen Instrumenten, die Sie auch genannt haben, auch noch zu bearbeiten.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie Sie dieses Werbeverbot in dieser globalisierten Welt tatsächlich durchsetzen wollen. Ihr Werbeverbot ist nicht nur nicht wirksam, es ist schlicht auch nicht durchsetzbar.
Auch die Grundvoraussetzung, dass die Jugendlichen aufgrund der Tabakwerbung zu rauchen beginnen, ist falsch. Das wird zwar immer wieder behauptet, aber wenn Sie den wissenschaftlich untersuchten und belegten Gründen nachgehen, dann werden Sie unschwer herausfinden, dass das grösste Raucherrisiko bei Jugendlichen besteht, wenn deren Eltern auch rauchen. Das Risiko ist im Alter der Pubertät am grössten, wenn sich die Jugendlichen auch gegenüber den Eltern, die nicht rauchen, abgrenzen wollen und in der Gruppe und ähnlichen sozialen Phänomenen cool sein möchten und dann zu rauchen beginnen. Mit der Tabakwerbung hat das nichts zu tun.
Ich glaube, Werbeverbote sind nur dort gerechtfertigt, wo sie erstens Wirkung erzielen und zweitens auch durchgesetzt werden können. Werbung für legale Produkte ist eben ein zentraler Bestandteil unserer Marktwirtschaft, und es bedürfte schon besonderer Gründe, dass tatsächlich Werbeverbote ausgesprochen werden müssten.
In diesem Sinne bitte ich Sie, die Motion Gugger abzulehnen. [PAGE 1458]