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Flach Beat · Nationalrat · 2018-09-24

Flach Beat · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion · 2018-09-24

Wortprotokoll

Dass Frauen und Männer den gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen sollen, steht jetzt schon seit über dreissig Jahren in unserer Verfassung. Die Auswertungen von Lohnstrukturuntersuchungen zeigen aber, dass wir weit davon entfernt sind, diesen Verfassungsgrundsatz tatsächlich auch in der Wirtschaft zu leben. Die Unterschiede betragen immer noch zwischen 7 und 8 Prozent, und das teilweise ab dem Tag der ersten Anstellung. Die Freiwilligkeit hat nicht dazu geführt, dass die Lohnunterschiede, die nicht durch Leistung oder Fachwissen erklärbar sind, eliminiert worden wären. Die Freiwilligkeit hat dazu geführt, dass das eine Struktur ist, die quasi festgewachsen ist, anders gesagt, die sich als Courant normal in der Firmenpolitik teilweise etabliert hat - und viele Unternehmer wissen es nicht einmal, bemerken das nicht einmal.

Was folgt nun mit dieser Gesetzesänderung? Es gibt keine Revolution! Ich frage mich bei dieser Diskussion manchmal, wie es wohl wäre, wenn es umgekehrt wäre, wenn man feststellen würde, dass Frauen 7 bis 8 Prozent mehr verdienen würden als Männer. Wahrscheinlich würde es hier drin ganz anders aussehen! Diese Ungerechtigkeiten müssen wir eliminieren. Was der Entwurf vorschlägt, ist nun wirklich etwas sehr Zahmes: nichts anderes, als dass die Unternehmen untersuchen sollen, was sie denn tatsächlich für Löhne bezahlen. Und nicht jedes Unternehmen soll das tun, sondern nur Unternehmen ab 50, besser gesagt, ab 100 Mitarbeitenden. Warum das nicht für Unternehmen mit 50 oder 20 Mitarbeitern gelten soll, weiss ich nicht.

Es wurde vorhin ausgeführt, es sei ein Papiertiger, ein bürokratisches Monster und so weiter. Ich kann Ihnen aber sagen: Wenn Sie diese Lohnerhebung machen, ist dies weniger aufwendig, als wenn Sie einmal im Jahr auswerten, wer an Ihren Geschäftsausflug kommt, wer ein Vegi-Menü erhält, wer früher kommt, wer später geht, wer ein GA hat und wer dann vielleicht noch etwas darbietet an Ihrem Geschäftsausflug. Diese Lohnerhebungen sind schnell gemacht und führen dann eben dazu, dass die Unternehmen auch sehen, wo es denn tatsächlich hapert.

Vorhin wurde auch noch ausgeführt, diese Studie aus dem Jahr 2015, die am Wochenende wieder hervorgekramt wurde, belege, dass die effektive Berufserfahrung bei der Analyse der Löhne der Frauen nicht berücksichtigt werde und dass sich daraus diese Unterschiede ergeben würden. Ich muss Ihnen sagen: Das ist falsch! Die Studie sagt das nicht. Lesen Sie die 144 Seiten durch oder wenigstens die vier oder fünf Stellen, wo es um die effektive Berufserfahrung geht.

Wenn man einen Lohnvergleich so machen will, dass er auch tatsächlich diskriminierungsfrei ist, dann muss man nicht die effektive Berufserfahrung nehmen, sondern das tatsächliche Können, das Fachwissen, das jemand im Beruf hat, die Ausbildung, die jemand hat, oder die Tätigkeit, die jemand ausübt. Wenn man einfach heranzieht, wer mal für eine gewisse Zeit weg war, dann müsste man auch sehr viele Männer, die weg waren, beispielsweise um ihren Dienstgrad im Militär abzuverdienen, dort wieder schlechter stellen, als Sie das wahrscheinlich wollen.

Es kommt noch etwas hinzu. Ich finde das noch wichtig. Es wird ständig herabgewürdigt, was Frauen, die eine Babypause machen, leisten. Ich kann Ihnen sagen: Wenn Frauen drei oder vier Kinder in die Schule schicken müssen, in einem Land, in dem der Unterricht in jeder Schule zu anderen Zeiten beginnt, dann müssen sie auch im Management etwas leisten, wovon sich wahrscheinlich mancher Mann noch etwas abschneiden könnte.

Letztlich ist es so: Die grünliberale Fraktion wird eintreten und für die Anträge des Bundesrates stimmen. Ich bitte Sie, das auch zu tun. Es handelt sich um einen kleinen Schritt, einen kleinen Aufwand für die Unternehmen. Er wird aber dazu führen, dass die Unternehmen sehen, wo sie Nachbesserungsbedarf haben.