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Noser Ruedi · Ständerat · 2018-09-27

Noser Ruedi · Ständerat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2018-09-27

Wortprotokoll

Ich möchte mich jetzt schon beim Bundesrat bedanken, falls er das Postulat doch zur Annahme empfehlen sollte.

Wenn Sie zum Beispiel die Ausgangslage beim CO2 anschauen - um einfach ein Thema aus den ganzen ökologischen Themen herauszunehmen -, dann ist es so, dass wir in der Schweiz ungefähr 15 Millionen Tonnen CO2 emittieren. Wenn Sie schauen, wie viel CO2 weltweit mit einem direkten Konnex zur Schweiz emittiert wird - ob der jetzt stark oder [PAGE 785] schwach ist, sei einmal offengelassen -, dann kommen Sie etwa auf 1500 Millionen Tonnen CO2, also auf etwa dreissigmal mehr. Anders ausgedrückt: Wenn es uns gelingen würde, in diesem Konnex etwas zu entscheiden, was dazu führte, dass man diese 1500 Millionen Tonnen um 1 Prozent verringern würde, dann wäre das dreissigmal mehr, als wenn man in der Schweiz 1 Prozent senkte.

Um solche Ziele zu erreichen, braucht es aber aus meiner Sicht neue Methodiken und auch ein ganz neues, innovatives Denken. Grenzwerte und Kosten, die wir mit Grenzwerten verbinden, sind hier oftmals das Falsche, vielleicht sogar schädlich. Gestatten Sie mir, zwei, drei Beispiele zu geben, in welche Richtung ich denke. Ich möchte hier auch klar und deutlich sagen, dass ich felsenfest davon überzeugt bin, dass dort die Lösung für unsere Umweltprobleme zu suchen ist. Ich persönlich wäre auch sehr interessiert, mich zu engagieren.

Nehmen wir zum Beispiel Phosphor. Die Schweiz hat genügend Phosphor, es ist alles vorhanden. Wenn es uns gelingen würde, Phosphor zu recyclen und wieder als Dünger auszubringen, dann müsste man für die Schweiz international kein Phosphor mehr abbauen. Wenn wir hier einen Kreislauf schaffen würden, der funktioniert, dann würde das gehen. Es gibt im Moment natürlich noch zwei, drei Probleme mit Reststoffen. Aber wenn man hier in Innovation investieren würde, um diese Probleme zu lösen, wäre dieser Beitrag zur Verbesserung der weltweiten CO2-Bilanz vielleicht höher als jener anderer Massnahmen, sogar wenn das Recycling in der Schweiz etwas CO2 generieren würde. Man sollte das anschauen.

Oder nehmen wir ein Beispiel aus dem Bereich Digitalisierung. Wir sind uns gewohnt, dass wir den Abfall über das Trennen zu Hause mehr oder weniger gut trennen. Es ist aber unterdessen auch schon so, dass die Gemeinden um den Abfall kämpfen, weil sie ja ihre Fernwärmenetze damit heizen müssen. Stellen Sie sich mal vor, man würde hier mit digitalen Mitteln arbeiten. Stellen Sie sich mal vor, man würde mit Cumulus und Supercard dahingehend arbeiten, dass man den Konsumenten darauf aufmerksam machen würde, dass ein Kosmetikfläschchen vielleicht anders entsorgt werden sollte, als es nur in den Abfall zu werfen. Stellen Sie sich vor, dass wir solche Dinge nutzen würden.

Wir würden damit auch gewisse Dinge transparent machen. Vielleicht gibt es dann einen Wettbewerb, vielleicht gibt es dann sogar Spiele, die man damit machen kann, und so weiter und so fort. Heute hat jedes Handy eine Kamera, man kann diesen Abfall fotografieren. Es gäbe dann einen Ratschlag, was man mit dem Abfall machen kann. Es gibt ganz viele Dinge, die man ganz anders aufgleisen kann, als wir es heute klassisch machen.

Das Rezyklieren von Baustoffen mit Bodenwaschanlagen: Selbstverständlich ist es schön, wenn wir die schärfsten Grenzwerte haben und dafür sorgen, dass möglichst wenig Schadstoffe wieder in den Bau kommen. Tatsache ist aber: Wenn man saubere Baustoffe verbaut, werden die dann automatisch auch wieder mit Schadstoffen belastet. Man sollte hier also vielleicht schauen, ob man im Baustoffbereich nicht mehr rezyklieren kann. Ich glaube, da gäbe es viele Dinge, wo man den einen oder anderen Grenzwert vielleicht besser hinterfragen und dafür weniger Kies bzw. Kalkstein und Ton zur Herstellung von Zement und Beton abbauen müsste. Das sind nur einige Beispiele. Ich bin sicher, Ihnen würden noch einige mehr einfallen; ich habe auch eine ganze Liste von solchen Beispielen.

Ich bin überzeugt, dass der Schlüssel, um solche Projekte anzugehen, eine Kreislaufbetrachtung ist, wenn man das also komplett anschaut. Ich bin mir auch bewusst, dass die Verwaltung begonnen hat, das so anzuschauen. Ich bin aber sehr sicher, dass man jeden Teilbereich anschauen und versuchen sollte, das hinzukriegen. Ich bin auch überzeugt: Wenn wir hier dann in Innovation investieren, helfen wir nicht nur der Umwelt, sondern wir werden auch eine Wirtschaft haben, die in diesen Bereichen exportierfähig sein wird. Wir müssen nicht Cleantech im engsten Sinne exportieren, wir müssen nicht Isolationsmaterial exportieren, wir müssen nicht Minergie exportieren: Wir müssen Technologien und Maschinen exportieren, die dazu führen, dass die Produkte, die an anderen Orten hergestellt werden, effizienter sind.

Ich bin auch felsenfest der Ansicht: Wenn wir in der Schweiz dem Weltklima einen Gefallen tun wollen, dann kann die Frage, ich möchte das betonen, nicht nur lauten, wie wir das CO2 in der Schweiz reduzieren. Sie muss auch so lauten, aber sie kann nicht nur so lauten, sondern die entscheidende Frage lautet meiner Ansicht nach: Wie nutzen wir den Wissens- und Forschungsstandort Schweiz, um den CO2-Ausstoss weltweit zu reduzieren? Das wäre eigentlich die entscheidende Frage!

Darum bitte ich Sie, das Postulat anzunehmen. Ich bin sehr gespannt auf den Bericht und freue mich schon darauf, damit mit der Frau Bundesrätin die eine oder andere Motion auszuarbeiten.