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Forster-Vannini Erika · Ständerat · 2002-06-05

Forster-Vannini Erika · Ständerat · St. Gallen · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2002-06-05

Wortprotokoll

Eigentlich wird wohl erwartet, dass ich mich als Frau vehement für diese Sensibilisierungskampagne ausspreche. Ich mache es aber nicht, und zwar aus folgenden Gründen:

Zum einen habe ich so oder so Mühe damit - und es stimmt mich eigentlich sehr nachdenklich -, dass wir überhaupt Sensibilisierungskampagnen durchführen müssen, damit die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an die Urne gehen. Irgendetwas scheint da schief zu laufen, aber anscheinend ist es nötig, dass man die Leute sensibilisiert.

Nun aber zum anderen Thema, zum Thema Frauen: Nach meinem Dafürhalten bringt eine Sensibilisierungskampagne in dieser Frage nicht allzu viel. Sicher ist es ein wichtiges Ziel, dass vermehrt Frauen in allen Parlamenten, also nicht nur im National- und Ständerat, sondern auch in den Parlamenten der Kantone und Gemeinden Einsitz nehmen. Nach meiner Beobachtung seit bald zwanzig Jahren liegt das Problem aber nicht darin, dass Frauen nicht gewählt werden. Vielmehr haben wir Probleme, Frauen überhaupt auf die Listen zu bringen. Frauen haben vielfach andere Lebensmuster, und es ist ihnen schlicht und einfach nicht möglich, neben Familie und Beruf auch noch Einsitz in den Parlamenten zu nehmen. Deshalb lassen sie sich erst gar nicht auf die Liste setzen.

Ich bin mit Kollege Inderkum der Meinung, dass es letztlich Sache der Gesellschaft ist, dafür zu sorgen, dass Frauen bessere Chancen vorfinden, damit sie sich überhaupt zur Verfügung stellen können. Es ist auch Sache der Parteien, zu sensibilisieren und darauf zu achten, dass Frauen, wenn sie auf den Listen sind, eine gute Ausgangslage haben. Es ist auch Sache der Parteien, den Frauen die nötige Unterstützung zu gewähren und sie vor allem im Wahlkampf zu unterstützen.

Und noch etwas: Letztendlich sollte nicht das Geschlecht das dominierende Auswahlkriterium sein, sondern nach wie vor die Persönlichkeit. Zudem - verstehen Sie mich nicht falsch - zeigen die Frauen in den Parlamenten, dass es nicht nur eine Frage der Quantität ist, ob man gehört wird oder nicht, sondern eben der Qualität.

In diesem Sinn bitte ich Sie auch, der Mehrheit zuzustimmen.

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