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Maissen Theo · Ständerat · 2002-06-19

Maissen Theo · Ständerat · Graubünden · Christlichdemokratische Fraktion · 2002-06-19

Wortprotokoll

Ich gehe davon aus, dass es sich hier beim Begriff "Handelsschulen" an und für sich um die Bezeichnung "Handelsmittelschulen" handeln sollte. Ich möchte das mindestens für die weiteren Beratungen mitgeben, wenn dieser Minderheitsantrag durchkommt. Ich kann mir vorstellen, dass es eine Frage der Übersetzung ist.

Im heutigen Bundesgesetz über die Berufsbildung werden die Handelsmittelschulen in Artikel 46 bis 48 geregelt. Sie sind auch heute, wie bereits erwähnt worden ist, nach wie vor ein Teil der Berufsbildung. Es muss uns ein Anliegen sein, dass der Abschluss in einer Handelsmittelschule äquivalent ist zum Fähigkeitszeugnis für kaufmännische Angestellte. Die Nennung der Handelsmittelschulen im Gesetz ist von existenzieller Bedeutung. Ich denke auch, wenn wir neben den Lehrbetrieben die Spezialität des Lehrbetriebsverbundes erwähnen, ist es durchaus gerechtfertigt, die Handelsmittelschulen ebenfalls zu nennen, weil es doch eine grosse Gruppe von Leuten ist, die hier ihre berufliche Grundausbildung geniesst, und der Lehrbetriebsverbund wahrscheinlich zahlenmässig nicht diese Bedeutung hat.

Ich möchte Ihnen zwei Gründe nennen, warum diese Handelsmittelschulen von Bedeutung sind:

Erstens ist es heute so, dass pro Jahrgang jeweils 22 Prozent der Leute die gymnasiale Matura machen; die übrigen 78 Prozent machen eine Berufslehre oder eine Grundausbildung für einen Beruf. Nun ist es so, dass nicht alle der 78 Prozent eine Lehrstelle bekommen. Daher ist es wichtig, dass wir neben der klassischen Lehre und der gymnasialen Ausbildung auch Alternativen auf Sekundarstufe II haben. Solche Alternativen, die u. a. mit den Handelsmittelschulen abgedeckt werden, sind besonders wichtig für den Dienstleistungsbereich. Er ist eine wachsende Branche, die vor allem auch in touristischen Regionen von wachsender Bedeutung ist. Wir müssen zudem wissen, dass insbesondere auch junge Frauen auf schulgestützte Ausbildungsangebote angewiesen sind. Das ist für mich einer der Gründe, die dafür sprechen, der Minderheit zu folgen.

Es gibt aber auch einen zweiten Grund: Es ist so, dass in schwach besiedelten Regionen Schulangebote im Bereich Sekundarstufe II nur funktionieren, wenn das in Kombination mit verschiedenen Schultypen erfolgt. Ich kann Ihnen ein Beispiel aus meiner Wohnregion Surselva nennen - es ist eine Bergregion. Dort haben wir vor rund 15 Jahren nach langen Vorbereitungen eine kaufmännische Berufsschule gegründet, damit die Lehrlinge, die eine kaufmännische Berufsausbildung machen, die Berufsschule am Ort besuchen können. Diese Schule konnte nur gegründet werden, weil wir das zusammen mit einer Handelsmittelschule machten, damit genügend Schüler vorhanden sind. Diese Kombination ermöglicht heute einen guten Lehrkörper, ausreichend dotiert, sie ermöglicht die notwendige Infrastruktur, vor allem im EDV-Bereich. Diese Schule ist heute zu einem Zentrum für die Weiterbildung der entsprechenden Branchen geworden. Es wäre heute nach wie vor nicht möglich, diese Schule nur mit Lehrlingen, welche eine kaufmännische Lehre absolvieren, zu führen. Die Kombination mit der Handelsschule ist notwendig. Wenn wir diese Schule dort in dieser Kombination nicht hätten, müssten all jene, die eine Handelsmittelschule besuchen, wie früher die Schule ausserhalb der Region besuchen - dies mit entsprechend hohen Ausbildungskosten für die Eltern. Auch aus dieser Optik, der Verteilung dieser Schulen im geographischen Raum, ist es entscheidend, dass wir diesen Handelsmittelschulen mit der Festlegung im Gesetz die Existenzgrundlage geben.

Was wir dann allerdings machen müssen - und das betrifft dann meine folgenden Anträge, ich möchte bereits jetzt darauf hinweisen -, sind gewisse Anpassungen, damit gewährleistet ist, dass wir auch die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungsgängen haben, hier also für Absolventinnen und Absolventen der Handelsmittelschule zur Fortsetzung ihrer Ausbildung mit Berufsmatura und den entsprechenden Fachhochschulen.

Ich bitte Sie also, aufgrund dieser Überlegungen der Minderheit zuzustimmen.