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Luginbühl Werner · Ständerat · 2019-03-20

Luginbühl Werner · Ständerat · Bern · Fraktion BD · 2019-03-20

Wortprotokoll

Ich habe diese Interpellation aus zwei Gründen eingereicht, einerseits aus einer kulturellen, andererseits aus einer touristischen Überlegung. Zum Ersten sehen wir, dass uns in der Schweiz internationale Aufträge und Projekte im Filmbereich zusehends abhandenkommen; das ist für die Schweizer Filmbranche ein Problem. Zum Zweiten stellen wir fest, dass Jahr für Jahr Aufträge ins umliegende Ausland gehen, ohne dass die herausragenden, touristisch führenden Schweizer Standorte zum Zug kämen; das ist für den Schweizer Tourismus ein Problem.

Die Schweizer Filmwirtschaft ist eine kleine Branche, könnte aber von solchen Projekten massiv profitieren. Der Schweizer Tourismus ist eine wichtige Branche und hat in der Vergangenheit ganz klar von solchen Projekten, von solchen Filmen profitiert. Ich erinnere an den James-Bond-Film, der vor 55 Jahren teilweise im Schilthorngebiet gedreht wurde, wovon die Region noch heute profitiert. Ich erinnere an eine ganze Reihe von Bollywood-Filmen, die im Berner Oberland und andernorts in der ganzen Schweiz gedreht wurden und eine grosse Zahl von indischen Gästen in die Schweiz brachten. Wenn Bilder der Schweizer Alpenwelt, unserer Seen, der historischen Städte und Burgen um die Welt gehen, dann hat das eine touristische Wirkung.

Unsere Nachbarländer Österreich, Italien und Frankreich, in denen grundsätzlich vergleichbare Voraussetzungen für ausländische Filmproduktionen gelten, verfügen alle über spezielle Anreizsysteme, um ausländische Grossproduktionen ins Land zu holen. Während andere Länder ausländische Filmproduzenten aktiv umwerben, begnügt sich die offizielle Schweizer Standortwerbung allenfalls mit dem Zurverfügungstellen von Logistik. Um aktiv um ausländische Filmproduzenten zu werben, müssten wir mehr tun. Ich weiss, dass mit der Filmstandortförderung des Bundes internationale Koproduktionen unterstützt werden können. Dem sind jedoch [PAGE 201] enge Grenzen gesetzt, mit vielen Ländern haben wir keine Koproduktionsvereinbarung.

Standortpolitik ist immer auch Wirtschaftspolitik. Mit kulturpolitischen Massnahmen alleine ist dem Problem nicht beizukommen. Die Schweiz ist hier im Hintertreffen, und deshalb muss eine sogenannte Film Commission im Sinne einer nationalen Koordinationsstelle aufgebaut werden: Gemeinsam mit dieser sollen Anreizsysteme geschaffen werden, damit Grossproduktionen wieder vermehrt in die Schweiz kommen und die hiesige Infrastruktur nutzen.

Unsere Nachbarländer verfügen alle über eine Koordinations- und Förderstelle. Wie erwähnt, sind grosse Filmproduktionen immer auch ein Aushängeschild für Länder und Regionen. Sie können volkswirtschaftlich einiges bringen. Gerade deshalb bin ich von der Antwort des Bundesrates nicht befriedigt.

Schweiz Tourismus ist eine staatlich finanzierte Organisation im Rahmen der Standortförderung, die bereits heute - wenn auch nur logistisch - bei ausländischen Filmproduktionen helfen kann. Aus meiner Sicht wäre es anzustreben, dass die Finanzierung und das Pflichtenheft von Schweiz Tourismus dahingehend ergänzt werden, dass die Standortförderungsmassnahmen, welche Schweiz Tourismus zu erfüllen hat, auch das Werben für den Filmstandort Schweiz beinhalten.

Der Bundesrat spricht in seiner Antwort von Massnahmen auf der Basis geltender gesetzlicher Grundlagen. Mich würde interessieren, woran man hier denkt, und mich würde auch interessieren, ob der Bund einen Beitrag dafür leisten könnte, dass beispielsweise die Idee einer Film Commission vorangebracht werden könnte.