Engler Stefan · Ständerat · 2019-03-21
Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · CVP-Fraktion · 2019-03-21
Wortprotokoll
(discurra surmiran) La muntada da la plurilinguitad sco stgazi nunditg per nossa terra n'è betg discutabla. Nus savain tuts che quest stgazi è ina ritgezza che stgaffescha identitad - identitad per nossa terra, identitad per gruppas da nossa populaziun che stattan en il Grischun talian ed en las regiuns talianas da nossa terra, en regiuns rumantschas, en regiuns da linguatg franzos sco er da linguatg tudestg -, che la plurilinguitad merita sustegn ed en quest senn essan nus rumantschs fitg engraziaivels per la promoziun offrida da la Confederaziun per promover il rumantsch - saja quai tar las medias, saja quai en scola sco er tar il mintgadi.
Die Motion Vonlanthen 18.3459 greift ein wichtiges Thema auf. Es geht um Identität, es geht um Zusammenhalt in diesem Land. Diese besondere Möglichkeit, von mehreren Sprachen umgeben zu sein, besteht in unserem Land. Womöglich nehmen wir diese Chance zu wenig wahr. Wir sollten mit diesem Reichtum sorgfältig umgehen und ihn auch hoch schätzen. Zum einen - ich habe es erwähnt - schafft die Mehrsprachigkeit Identität und Zusammenhalt, zum andern bereitet die Sprachenvielfalt aber die nächste Generation auch ideal darauf vor, der vielfältigen und internationalen Gedankenwelt zu begegnen.
Im Besonderen wirft die Motion Vonlanthen die Frage auf, inwieweit in der mehrsprachigen Schweiz zwei- oder mehrsprachige Unterrichtsmodelle zusätzlich gefördert werden könnten. Es geht dabei um die Frage der Qualität, der Quantität und des Nutzens des schulischen Lernens einer Fremdsprache. Um in der Schule effizient Sprachen lernen zu können, braucht es in erster Linie methodisch und didaktisch gut ausgebildete Lehrpersonen mit hoher Sprachkompetenz. Das hat die Kommissionssprecherin, Anne Seydoux, ganz zu Recht ausgeführt. Wichtig sind dazu die Lehrmittel, die der aktuellen Lebenswelt der Lernenden gerecht werden und auch Anliegen einer Mehrsprachigkeitsdidaktik einbeziehen. Nicht nur ausserhalb, auch innerhalb des Schulhauses soll die Mehrsprachigkeit von Schülerinnen und Schülern und auch diejenige der Lehrpersonen sichtbar und erlebbar werden. [PAGE 228]
Da jeder Unterricht Sprachunterricht ist, überschreitet das Sprachenlernen die Grenzen der Sprachlektionen, was den Lernenden immer wieder in Erinnerung zu rufen ist. Es gibt - ich habe das bislang nicht gewusst - eine Arbeitsgemeinschaft, die sich mit der Förderung des mehrsprachigen Unterrichts in der Schweiz befasst. Deren Präsidentin, Christine Le Pape Racine, macht in einer Publikation dazu Ausführungen. Sie unterstreicht, dass man bei der didaktischen Grundausbildung an den Pädagogischen Hochschulen anknüpfen müsse, wenn man den Anforderungen des mehrsprachigen Unterrichts in den Schulen gerecht werden wolle. Sie sagt, dass es eine systematische Koordination für eine obligatorische Weiterbildung der bereits amtierenden Lehrkräfte brauche und dass - und damit höre ich auf, sie zu zitieren - die Sensibilisierung für eine horizontale und vertikale Kohärenz bei allen Lehrpersonen in allen Fächern anzustreben sei.
Das bedeutet, dass die Lehrpersonen sich über die Inhalte der Fächer Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch oder auch Englisch informieren und darüber, wie das mit dem Schulalltag der Lernenden, auch beim Stufenübergang, zusammenpasst. Eine vermehrte Kooperation beim Einsatz von fremdsprachigen Inseln auch im Sport, im Technischen Gestalten, in Geografie usw. im Hinblick auf eine Ausweitung zum partiellen immersiven Unterricht wäre gut möglich und eine wertvolle Ergänzung zum eigentlichen Sprachunterricht.
Der Bundesrat argumentiert mit der Ablehnung dieser Motion ziemlich defensiv, wenn er sich hinter die Barrikade der kantonalen Bildungshoheit zurückzieht und geltend macht, man könne zwar eine Anschubfinanzierung leisten, letztlich sei das Anliegen aber Sache der Kantone. Ich teile diese Auffassung nicht, auch angesichts von Artikel 70 der Bundesverfassung, der der Förderung der Verständigung und des Austausches zwischen den Sprachgemeinschaften ein hohes Gewicht beimisst.
Ich kann mich nur den Erwartungen von Kollege Vonlanthen anschliessen, dass bei einer nächsten Kulturbotschaft diesem Thema das gebührende Gewicht beigemessen wird.