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Plattner Gian-Reto · Ständerat · 2002-06-20

Plattner Gian-Reto · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-06-20

Wortprotokoll

Zuerst möchte ich mich kurz dafür entschuldigen, dass ich als Kommissionsmitglied einen Einzelantrag einreiche. Das ist hier - zu Recht - nicht üblich. Ich wollte einen Minderheitsantrag einreichen, habe es im Rahmen der zweiten Lesung dann vergessen und hole es nun halt auf diese Art und Weise nach.

In der Kommission war der Antrag gar nicht chancenlos, wie die Tatsache zeigt, dass er nur mit 5 zu 5 Stimmen und dem Stichentscheid des Präsidenten abgelehnt wurde, was der Präsident jetzt vernünftigerweise verschwiegen hat. Es ist natürlich wahr: Damals, als wir das diskutierten, bestand noch Hoffnung, dass gleichzeitig auch der Nationalrat dieses alte Anliegen der jugendlichen Lehrlinge durch Zustimmung zur Parlamentarischen Initiative Wyss Ursula 01.445 aufnehmen würde; und jetzt hat die WAK-NR beantragt, der Initiative keine Folge zu geben, was meine Position natürlich erheblich schwieriger macht.

Dennoch möchte ich Ihnen sine ira et studio und vielleicht auch ohne allzu grosse Hoffnungen noch einmal erklären, warum ich persönlich glaube, dass es wichtig wäre, hier dieses Zeichen zu setzen. Es geht keineswegs darum, den Konsens über dieses Gesetz nun sozusagen in letzter Sekunde noch zu sprengen; sondern es geht mir darum, den dualen Weg, das duale System, zu stärken, d. h. eben auch, jenen Teil dieses dualen Systems für junge Leute attraktiv zu machen, die den Weg über die Berufslehre, allenfalls die Berufsmatur und dann die Fachhochschule, wählen.

Man mag einwenden, es sei doch eigentlich ein ziemlich schlechter Grund, den einen oder anderen Teil im dualen System zu wählen, indem man ihn nach den Ferien beurteile, die man haben werde. Wenn Sie aber junge Leute kennen, müssen Sie wohl zugeben, dass in diesem Alter der Umfang der Freizeit und die Möglichkeit, in der "fun society" auch ein bisschen dabei zu sein, halt schon eine grosse Rolle spielen. Manch eine und manch einer geht dann lieber in eine Schule - in eine Vollzeitschule oder gar ins Gymnasium, soweit das ihm oder ihr von den Leistungsfähigkeit her möglich ist -, weil es dort natürlich sehr viel mehr Ferien gibt, nämlich etwa zwölf Wochen oder manchmal sogar dreizehn. Da nehmen sich die fünf Wochen für die jungen Lehrlinge dann doch recht mager aus, und das führt allenfalls zu Fehlallokationen der Berufsmöglichkeiten der jungen Leute. Darum geht es mir. Ich selbst glaube nicht, dass die Anzahl der Ferienwochen - sechs oder fünf oder allenfalls sieben - so wesentlich ist. Ich glaube aber, dass es aus der Sicht der jungen Leute schon wesentlich ist.

Es wird eingewendet, das koste die Wirtschaft ungeheuer viel. Ich weiss nicht, ob eine Woche Ferien die Wirtschaft so viel kostet. Zuerst einmal kostet es den Lehrling etwas, der dann seine Ferien irgendwie verbringen muss. Das kann er von seinem Lehrlingslohn vielleicht bezahlen. Den Bund kostet es sicher nichts, wenn er das hier beschliesst, die Bundeskasse können wir also für einmal ausser Acht lassen. Ob es einen Betrieb sehr viel kostet, wenn der Lehrling, der vor allem in der Ausbildung ist und nicht als vollwertige Arbeitskraft eingesetzt werden sollte - und es doch wohl auch nicht wird -, dann eine Woche, also fünf Arbeitstage, mehr nicht da ist, bezweifle ich. Ich bezweifle da die Berechtigung der Alarmrufe, die vonseiten der Wirtschaftsvertreter in der Kommission geäussert wurden, doch ein bisschen.

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Ich bitte Sie also, sich noch einmal zu überlegen, ob Sie diese Stärkung des dualen Systems nicht doch unterstützen könnten. Die Sache würde dann in den Nationalrat gehen. Er könnte sich ordentlich um das Problem kümmern, indem er auch die Wirtschaftsverbände dazu befragen und ihre Meinung einholen würde. Wenn Sie es jetzt einfach erledigen, ist es wieder für lange Zeit vom Tisch. Das würde ich für einen bedauerlichen Fehler halten.