AB 244545
Ruppen Franz · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2019-05-08
Wortprotokoll
Vorab zu meiner Interessenbindung: Ich bin Vorstandsmitglied des Vereins "Lebensraum Wallis ohne Grossraubtiere".
Die SVP-Fraktion ist für Eintreten und gegen die Rückweisung der Vorlage an den Bundesrat. Eine Rückweisung würde den bereits angenommenen Vorstössen und damit dem Auftrag dieses Parlamentes widersprechen.
Es gibt immer mehr Probleme aufgrund der Rückkehr der Grossraubtiere in unsere dichtbesiedelte und kleinräumige Schweiz. Es braucht eine Regulierung des Wolfsbestandes, um Schäden im Bereich Landwirtschaft und Tourismus zu vermeiden sowie eine Beeinträchtigung der Sicherheit der Bevölkerung zu verhindern. Der Wolf ist keine vom Aussterben bedrohte Tierart, die Wolfspopulation in Europa ist rasant am Wachsen. Im Jahr 2018 ist die Wolfspopulation im Alpenraum innerhalb eines Jahres um knapp einen Drittel gewachsen, in Italien hat sich die Wolfspopulation alle sieben bis acht Jahre verdoppelt. Es gibt in der Schweiz keine Region, die gross genug ist, um den Wölfen artgerechte Lebensräume zu bieten, unser Land ist zu dicht bevölkert. Unsere Vorfahren haben den Wolf bekämpft und ausgerottet, als die Schweiz viel weniger dicht besiedelt war.
Die Wolfsproblematik beschränkt sich in der Schweiz nicht mehr nur auf das Berggebiet und den Alpenraum, sondern betrifft immer mehr auch das Mittelland und die Agglomerationen. In den letzten Monaten sind Wölfe und damit einhergehende Risse ausser in den Kantonen Wallis und Graubünden auch in den Kantonen Uri, Schwyz, Glarus, St. Gallen, Bern, Thurgau, Luzern, Zug, Aargau und in der Westschweiz vorgekommen; auch im Kanton Zürich gab es Wolfsvorkommen. Der Wolf verliert immer mehr die Scheu vor dem Menschen und kommt immer näher an die Siedlungen. Wir hatten ihn vor ein paar Jahren in verschiedenen Dörfern im Wallis im Dorfzentrum. Es gab Risse wenige Meter von Häusern entfernt in eingezäunter Weide. Und erst vor Kurzem war in Leuk-Susten ein Wolf in einem bewohnten Gebiet auf offener Strasse anzutreffen, ebenso in Grône bei Siders, auch in einem bewohnten Gebiet! Das ist für die betroffene Bevölkerung nicht mehr tragbar.
Es gibt also immer mehr Probleme mit Wölfen sowie Konflikte mit Jägern, mit der Landwirtschaft, mit dem Tourismus und mit der Bevölkerung. Wir müssen jetzt handeln. Es müssen die Bestände reguliert werden können, ohne dass ein grosser Schaden vorliegt und auch wenn keine Herdenschutzmassnahmen getroffen worden sind. Es gibt nämlich Alpen, die aufgrund ihrer Topografie gar nicht schützbar sind. Viele solcher Massnahmen sind auch nutzlos, weil der Wolf z.[NB]B. Zäune überspringt oder sich unten durchgräbt. Elektrozäune sind eine Gefahr für Wildtiere, und Herdenschutzhunde kommen in Konflikt mit Wanderern. Diese Herdenschutzmassnahmen sind also nur bedingt geeignet und bieten keine Gewähr für die Abwehr von Angriffen von Grossraubtieren.
Zudem führen solche Herdenschutzmassnahmen sehr oft zu einem unverhältnismässigen finanziellen und personellen Aufwand für die Schäfer. Die Folge ist, dass solche Alpen nicht mehr bewirtschaftet bzw. keine Nutztiere mehr gesömmert werden. Viele Schäfer geben die Alpen auf, weil Aufwand und Kosten des Herdenschutzes unverhältnismässig hoch sind. Die Alpen verbuschen und verganden, was auch negativ für den Tourismus ist. In einigen Jahren wird man sie dann vermutlich mit Bundesgeldern wieder herrichten wollen. Das könnte man heute einfacher haben.
Die zunehmenden Wolfsrisse stellen also klar eine Gefahr für die Berglandwirtschaft dar. Trotz Herdenschutzmassnahmen gibt es noch immer - und immer wieder und immer mehr - Wolfsrisse! So gab es beispielsweise 2016 im Wallis noch 130 tote Schafe und Ziegen zu beklagen, währenddem 2018 bereits 269 Nutztiere gerissen wurden.
Noch ein Wort zu den Kosten: Gemäss Antwort des Bundesrates auf eine Interpellation beliefen sich die Kosten für den Wolf für den Bund bereits 2015 auf 3,3 Millionen Franken, ohne die indirekten Kosten und die Kosten in den Kantonen. Allein im Kanton Wallis werden für die Verwaltung der Wolfsproblematik fast 4000 Arbeitsstunden im Jahr aufgewendet. Und gerade hat eine Studie gezeigt, dass die Kosten für Massnahmen zum Herdenschutz und zur Anpassung der Nutzung der Schafalpen wegen der Grossraubtierpräsenz in der ganzen Schweiz jährlich bis zu 7,6 Millionen Franken betragen könnten.
Die Nutztiere dürften den Titel des Films "Der mit dem Wolf tanzt" wohl kaum wörtlich nehmen. Vielmehr führen die zunehmenden Wolfsrisse in Schafherden zu einem "Schweigen der Lämmer".
Aus den dargelegten Gründen ersuche ich Sie namens der SVP-Fraktion, den Rückweisungsantrag abzulehnen.