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Amstutz Adrian · Nationalrat · 2019-06-05

Amstutz Adrian · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2019-06-05

Wortprotokoll

Ich staune schon über die Argumentation hier in diesem Saal. Gerade die links-grüne Seite, wo das Wort Verhältnismässigkeit bei jeder Gelegenheit an oberste Stelle gerückt wird, macht hier aus einer Mücke einen Elefanten. Ich habe schon das Gefühl - sorry -, dass einige der Sprechenden nicht wussten, wovon sie sprechen. Wir sprechen hier von einigen wenigen Feldschiessen, die Sie rausstreichen wollen, nebst den historischen, die seit über hundert Jahren bestehen. Ist das historisch, oder ist das nicht historisch? Wie wollen Sie die Unterscheidung machen zwischen historischen Schiessen und Feldschiessen, die seit über hundert Jahren am gleichen Standort von den Menschen in dieser Region auch als Fest und als Kulturanlass gesehen werden? Das ist so, Frau Semadeni, kommen Sie mal zu uns! Ich spreche jetzt zum Beispiel von meiner Region, Meiersmaad. Da liegen in der gleichen Feuerlinie 14-, 15-jährige Mädchen und Knaben neben mittelalterlichen bis zu über 90-jährigen Menschen im Gras. Die schiessen auf Scheiben, die extra hingestellt und wieder abgeräumt werden und also das Landschaftsbild nicht belasten usw., und es gibt einen Schusseintrag, der lächerlich ist.

Wir haben im Thunersee, im Urnersee und im Brienzersee über 2500 Tonnen Granaten, Sprengstoffe und Munition eingelagert. Es wurden Untersuchungen durchgeführt, die festgestellt haben, dass man die Munition dort lassen soll. Und hier machen Sie aus einem Hosensackproblem ein [PAGE 860] Riesentheater, das notabene jetzt vier Jahre "durchgeschleipft" wird, schön unterstützt von einer resistenten Verwaltung, die die Erfüllung ihres Auftrags verweigert hat. Ich sage das extra. Das hat darin gegipfelt, dass sich die Verwaltung selbstherrlich erfrecht hat, den Begriff Feldschiessen aus den Unterlagen für eine Kommissionsarbeit zu streichen. Das sprengt jede, aber wirklich jede seriöse Arbeit. Das ist nicht tolerierbar. Wenn Sie von Kosten reden, die dieser Vorstoss verursacht, dann liegt der Grund nicht bei mir, sondern in der Verzögerungstaktik von Links-Grün, die, zusammengespannt mit der Verwaltung, dieses Theater um dieses Hosensackproblem machen.

Was ist denn Kultur? Ist Kultur nur das Sechseläuten? Oder ist Kultur nur die Reitschule in Bern? Ist Kultur vielleicht nicht auch ein Feldschiessen in Meiersmaad, wo alle Bevölkerungsschichten an einem Sonntag zusammenkommen und dieses Fest feiern und wo, wenn die Schüsse aufhören - man hört es gerade -, (Heiterkeit) die Familien zusammenströmen, selbst mit Kinderwagen, um dem Lebkuchenrad einen Gewinn abzuringen? Nein, hier geht es um etwas anderes: Links-Grün, jetzt sogar von der Mitte unterstützt, will diese Anlässe abmurksen. Das ist das Ziel, und man will in diesem Saal das Schützenwesen vernichten.

Das werde ich bekämpfen. Da sollten sich gerade auch die CVPler und die FDPler nochmals Gedanken dazu machen und sich fragen, ob sie wegen dieses Hosensackproblems wirklich den Antrag der Kommissionsmehrheit unterstützen wollen, der übrigens sehr knapp entschieden worden ist, sehr knapp. Sie sollten sich fragen, ob Sie nicht der Minderheit I (Rösti) zustimmen sollten, mit der auch ein wenig toleriert würde, was hier geschieht, und das Gebot der Verhältnismässigkeit gewahrt würde.

Wissen Sie, was Feldschiessen im Feld ist? Das ist etwas historisch Geprägtes. Das ist nicht Schiessen im Stand, Herr Bäumle. Es wird im freien Feld geschossen, im nassen Gras, auf im Gelände aufgestellte Scheiben. Die Zeiger rennen nach dem Hornstoss des Schützenmeisters vor die Scheiben, zeigen den Schuss an und rennen wieder zurück.

Das ist Tradition. Diese lassen wir uns, das sage ich Ihnen, nicht vernichten!