Glur Walter · Nationalrat · 2002-09-18
Glur Walter · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2002-09-18
Wortprotokoll
Nachdem der Nationalrat im Dezember 1999 den Parlamentarischen Initiativen Loeb und Sandoz keine Folge gegeben hat, bestimmen wir heute über zwei Volksinitiativen mit ähnlichem Inhalt und über die Parlamentarische Initiative Marty Dick.
Ich möchte vielleicht einige Worte aus der Sicht des Bauern sagen. Wir alle wissen ja, dass die Tiere von Bäuerinnen und Bauern keinesfalls als Sache empfunden werden. So werden auf den Bauernhöfen die Kälber und Kühe, die Schweine, Schafe und Hühner zur Gewinnung wertvoller tierischer Nahrungsmittel wie Milch, Fleisch, Eier gehalten und werden keinesfalls bloss als Produktionsfaktoren betrachtet. Der Bauer, für den schon seit Generationen eine enge Beziehung zum Tier und eine verantwortungsvolle Betreuung desselben eine Selbstverständlichkeit ist, stellt heute fest, dass in unserer hoch zivilisierten Welt auch der grösste Teil der Bevölkerung eine enge Mensch-Tier-Beziehung aufgebaut hat. Eine Vermenschlichung der Tiere erachte ich aber sachlich und ethisch für falsch - obschon ich weiss, dass heute viele Leute zu den Haustieren ein viel sensibleres Verhältnis haben als zum Teil zu ihren Mitmenschen.
Nach den Worten von Herrn Goetschel, dem Anwalt des schweizerischen Tierschutzes, geht es bei diesen Initiativen nicht um eine Verschärfung des Tierschutzes, sondern es geht auch um Genugtuungssummen für den Tierhalter. Gerade hier müssen wir natürlich aufpassen, dass wir nicht in Rechtsansprüche amerikanischer Art hineingeraten. Wenn man die Eintretensdebatte gehört hat, hätte man meinen können, dass für die Tiere alles viel besser werde. Wenn man aber weiss, dass es darum geht, dass die Anwälte noch monate- oder jahrelang darüber diskutieren werden, wenn ein Tier überfahren worden und tot ist, dann nützt es dem Tier nicht so viel.
Ich würde sagen, die beiden Volksinitiativen müssen in Übereinstimmung mit der Botschaft des Bundesrates abgelehnt werden.
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Mit der Parlamentarischen Initiative Dick Marty kann ich mich nur einverstanden erklären, wenn ich die Gewissheit habe, dass keine Tier-Anwälte eingesetzt werden und dass bei der Regelung des Schadenersatzes der Wert des Tieres nicht überstiegen wird. Das führt sonst zu einer teuren Spitzenmedizin im Heimtierbereich und zu enorm hohen Haftpflichtprämien. Der wichtigste Punkt: Es braucht eine klare Abgrenzung zwischen Heim- und Nutztieren.