Vonlanthen Beat · Ständerat · 2019-06-19
Vonlanthen Beat · Ständerat · Freiburg · CVP-Fraktion · 2019-06-19
Wortprotokoll
Es ist fast etwas peinlich, über diese Bestimmung so viele Worte verlieren zu müssen. Ich ersuche Sie eindringlich, dem Antrag der Minderheit zuzustimmen. Die vorgeschlagenen Geschlechterrichtwerte sind nämlich die schwächste der schwachen Massnahmen im Gesetz. Der "Comply or explain"-Ansatz ermöglicht aber immerhin eine Sensibilisierung der Firmenleitungen, um nach und nach eine bessere Vertretung des anderen Geschlechts sicherzustellen.
Lassen Sie mich zur Illustration die folgenden Punkte ganz kurz repetieren und erwähnen:
1.[NB]Es ist völlig falsch, von Quoten zu sprechen. Es wurde hier mehrmals gesagt, und ich sage es, Herr Caroni, auch ganz unpoetisch: Die Geschlechterrichtwerte sind lediglich Zielvorgaben, die keine Sanktionen nach sich ziehen.
2.[NB]Die Prozentzahlen: 30 Prozent für den Verwaltungsrat und 20 Prozent für die Geschäftsleitung sind im internationalen Vergleich sehr bescheiden.
3.[NB]Die Vorlaufzeit für die Unternehmen ist sehr lange angelegt. Die Ziele für den Verwaltungsrat müssen erst nach fünf Jahren erfüllt sein, jene für die Geschäftsleitung erst nach zehn Jahren. Erst dann muss im Bericht aufgezeigt werden, wieso die Richtwerte nicht erreicht werden konnten und mit welchen Massnahmen man das Ziel in Zukunft erreichen will.
4.[NB]Die Mehrheit sieht in Artikel 4 der Übergangsbestimmungen gar eine zeitliche Beschränkung von zehn Jahren vor.
5.[NB]Nur die börsenkotierten Unternehmen sind von den Geschlechterrichtwerten betroffen. Die KMU sind überhaupt nicht tangiert.
Eine Ablehnung dieser hypersoften Massnahme würde von der Bevölkerung als schlechtes Zeichen gegenüber der gleichberechtigten Berücksichtigung von Frauen in Kaderstellen der Unternehmen verstanden werden. Nach dem letzten Freitag würde diese Ablehnung recht eigentlich auch einen Schlag ins Gesicht der Frauen darstellen. Geben wir den Unternehmen den ganz sanften Druck, ihre Anstellungspraxis leicht zu hinterfragen und den Frauenanteil in Kaderstellen "au fur et à mesure" zu verbessern!
Ich bitte Sie daher inständig, die Minderheit Ihrer Kommission und damit den Nationalrat und den Bundesrat zu unterstützen.