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Lohr Christian · Nationalrat · 2019-06-20

Lohr Christian · Nationalrat · Thurgau · CVP-Fraktion · 2019-06-20

Wortprotokoll

Sauberes Trinkwasser und Pestizidverbot - das tönt gut. Wer kann und soll da eigentlich dagegen sein? Auch für mich, der sich unter anderem im Naturschutz stark auch für den Erhalt und die Stärkung der Bienenvölker einsetzt, ist das klar. Also müsste ich folglich heute Ja sagen können.

Beim näheren Hinsehen, beim konkreteren Betrachten der Fakten zeigt sich für mich aber doch ein viel differenzierteres Bild - gerade für mich, der aus einem typischen, aus einem starken, aus einem prosperierenden Landwirtschaftskanton stammt: aus dem Kanton Thurgau. Wenn ich genau hinschaue, dann sehe ich, dass eine Annahme der Initiativen oder eine Rückweisung zur Ausarbeitung eines Gegenvorschlages sogar sehr kontraproduktiv wäre. Es würde den bereits getroffenen starken Anstrengungen der Landwirtschaft nicht gerecht, wenn wir heute hier Ja sagen würden - und diese Anstrengungen sind ja nachgewiesen; das müssen wir heute eigentlich nicht so extrem und teilweise polemisch diskutieren. Wir wissen: Es gibt nachweislich Anstrengungen, der Handlungsbedarf ist bekannt, und ihm wird auch in vielen Bereichen bereits Rechnung getragen. Aber nicht nur das: Ein Ja würde den Anstrengungen nicht nur nicht gerecht, sondern wir würden sogar das Positive verzögern, den positiven Wandel der letzten Jahre, und er würde gar infrage gestellt.

Die Zeit, als bedenkenlos und einfach präventiv drauflosgespritzt wurde - das wissen wir alle -, ist längst vorbei. Es wurden bewusst Verbesserungen erzielt. Die Mengen an eingesetzten Pflanzenschutzmitteln gingen markant zurück. Was heute noch eingesetzt wird, das wird nur gezielt eingesetzt, z.[NB]B. im Obstbau. Diesem kommt im Kanton Thurgau mit 1500 Hektaren Erwerbsanlagen, mit 130 Hektaren Beerenanbau und 250[NB]000 Hochstammobstbäumen natürlich eine enorme Bedeutung zu. Wenn wir den Produzenten, unseren Thurgauer Landwirten beispielsweise, die Möglichkeit nehmen, ihre Produkte zu schützen, werden sie einfach aus den Märkten herausfallen, weil sie die Anforderungen an die Qualität nicht mehr erfüllen können.

Es tönt gut und recht, wenn man behauptet, der Kunde sei bereit, mehr zu bezahlen. Aber was ist denn die Realität? Die Kunden wollen heute normiertes, perfektes Obst, Gemüse usw. Das wollen sie alles in einer Art, die man nicht einfach ausser Betracht lassen darf. Es sind Erwartungen da, die erfüllt werden müssen. Für mich ist deshalb eigentlich klar, dass wir, wenn wir vor allem Importe aus dem Ausland haben, die Standards für diese Produkte viel weniger oder teilweise - so ehrlich müssen wir sein - sogar fast gar nicht mehr im Griff haben.

Ich sage Nein zu den Initiativen und zu einer Rückweisung. Ich möchte auf die einheimische Landwirtschaft setzen, sie aber auch - und das sage ich auch den vielen Bauernvertretern in diesem Saal - noch stärker in die Pflicht nehmen. Dafür brauchen wir keine Gesetze, neue Auflagen oder neue Einschränkungen. Ich denke, jeder Bauer kann nur ein Interesse daran haben, dass die Art und Weise, wie er arbeitet, für den Kunden auch ein gutes, vertrauenswürdiges Produkt erbringt.

Ich bin dafür, in Zukunft die bestehenden Gesetze konsequenter umzusetzen, namentlich auch das Gewässerschutzgesetz. Da möchte ich dann aber schon auch mal ganz deutlich betonen: Zum Gewässerschutz gehören nicht nur die Landwirte; dazu gehört auch die Privatwirtschaft, dazu gehört das Gemeinwohl, dazu gehören wir als Kunden. Wir müssen auch unser Verhalten ändern.