Fetz Anita · Ständerat · 2019-09-11
Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-09-11
Wortprotokoll
Ganz ehrlich gesagt: 10 Millionen Franken mehr oder weniger, das ist unter dem Strich nicht sehr wichtig. Mir geht es darum, Ihnen ein paar grundsätzliche Überlegungen mitzugeben.
Natürlich ist der Tourismus in der Schweiz sehr, sehr wichtig. Aber ich finde, unserem Standortmarketingvehikel Schweiz Tourismus fehlt je länger, je mehr die Strategie. Das ist weniger das Problem von Schweiz Tourismus als das Problem der Betroffenen, die zusammenarbeiten.
Ich meine, wir befinden uns, was den Tourismus betrifft, in einem grundsätzlichen Wandel. Das wird aber in den entsprechenden Standortmarketingoffensiven überhaupt nicht abgebildet. Wir haben auf der regionalen Ebene mehr als 150 Tourismusorganisationen. Das ist der helle Wahnsinn. Es ist aber so. In der Schweiz gilt halt: jedem Tälchen sein Tourimusverbändchen. Die Idee, dass das Standortmarketing sozusagen die Dachmarke ist, die dann die einzelnen Verbändchen zusammenbringt, ist zwar eine schöne Idee, aber ich meine, das funktioniert je länger, je weniger.
Wir haben uns in Zukunft damit auseinanderzusetzen, dass wir in einzelnen Gebieten einen Overtourismus haben, das heisst viel zu viele Touristen. Luzern ist das beste Beispiel. Dort will niemand mehr, der nicht aus Asien kommt, einen gemütlichen Abend verbringen. Hingegen haben wir andere Gebiete, die eigentlich zu wenig Tourismus haben, die sich spezialisieren müssen. Wir haben das Problem, dass an gewissen Orten in den Alpen eine Disneyisierung stattfindet.
Wir wissen nicht, was wir wollen: Wollen wir Masse, oder wollen wir Klasse? Ich meine, die Schweiz ist zu klein, um Masse zu haben. Sie sollte sich auf Klasse spezialisieren. Dazu kommt dann noch der Klimawandel, der in den mittleren Regionen in den nächsten paar Jahren die Möglichkeiten grundsätzlich verändern wird. Das sind die Herausforderungen - nicht, ob wir 10 Millionen Franken mehr oder 10 Millionen weniger geben. Das fehlt mir, diese Auseinandersetzung fehlt mir bei der Marketingorganisation, aber auch bei den betroffenen Regionen und beim Bundesrat.
Mir ist es egal, ob Sie 10 Millionen mehr oder weniger geben. Ich habe mich jetzt mal für weniger entschieden, in der Hoffnung, dass mal die Strategiedebatte geführt wird. Darum werden wir nicht herumkommen. Das fehlt bis heute. [PAGE 649]