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Portmann Hans-Peter · Nationalrat · 2019-09-11

Portmann Hans-Peter · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2019-09-11

Wortprotokoll

So wie sich der Erdball dreht, so verändern sich auch die Gesellschaften von Generation zu Generation. Wenn man sich, so wie ich, einer gesellschaftsliberalen Politik verschrieben hat, dann muss man eben auch nicht nur für seinesgleichen und nicht nur zum Beispiel für ältere Generationen Politik betreiben, sondern man muss sich einer Politik für Generationen, die nachfolgen, verschreiben, von der man selber nicht mehr profitieren kann.

Diese nachfolgenden Generationen haben heute zum Teil eine andere Lebensphilosophie, als wir sie haben. Sie wollen nicht mehr einfach arbeiten und möglichst viel Geld verdienen bis zum Herzinfarkt. Da hat sich was geändert. Sie verstehen zum Teil unter Lebensqualität etwas anderes, als wir es tun. Dazu gehören eben auch Eltern und Väter, die nach einer Geburt das Familienleben intensiv leben wollen. Klar muss das immer auch im Einklang mit den Belastungen sein, die es auslöst. Selbstverständlich müssen sich auch diese Generationen Gedanken machen, welche Belastungen sie gewillt sind zu tragen, um ihrer Lebensphilosophie näher kommen zu können.

Ganz quer in der Landschaft stehen dann natürlich Vorschläge - ich nehme die auch nicht ganz ernst, und ich finde, das schadet leider auch der Thematik -, die hier zum Beispiel 52 Wochen ins Spiel bringen. Darauf kann man unseriöse Antworten geben. Das versuche ich jetzt hier: Wenn so was durchkäme, dann, muss ich Ihnen als Milizpolitiker sagen, würde ich mein Berufsengagement ändern: Ich wäre dann professioneller Samenspender und würde bis zum Erreichen des AHV-Alters alle 52 Wochen Vater. Das wäre dann eine tolle Kombination eines Teil-Milizengagements zusammen mit diesem Amt hier drin!

Das war jetzt, ich habe es Ihnen gesagt, eine unseriöse Antwort auf unseriöse Vorschläge.

Unsere Aufgabe ist es, hier drin ausgewogene Lösungen zu bringen, aber immer im Blickwinkel zu haben - zumindest ich als gesellschaftsliberaler Politiker habe dies -, dass neue Generationen andere Ansprüche an das Leben haben, als dies meine Generation und Ältere haben. Darum ist es für mich selbstverständlich: Ein Vaterschaftsurlaub gehört dazu.

Der indirekte Gegenvorschlag ist eine ausgewogene Lösung, die vor allem einen Blick auf die Finanzierung hat und auch ein Auge auf die Belastungen von Kleinunternehmungen wirft. Trotz allem denke ich, eine wirkliche Lösung für den Vaterschaftsurlaub ist die Initiative und wäre noch viel mehr der Elternurlaub. Auch ich gehöre zu jenen, die es sehr, sehr bedauern, dass wir dort keine Lösung gefunden haben. Es ist klar, dass wir den Frauen, wie heute im Arbeitsgesetz festgehalten ist, diese minimalen 8 Wochen, wenn nicht sogar etwas mehr, zugestehen. Aber es ist für mich auch klar: Junge Ehepaare können sich das untereinander viel besser aufteilen - und tun das auch -, wenn man ihnen mehr Zeit gibt. Die Frauen werden da auch nicht zu irgendetwas gezwungen oder übergangen; das glauben Sie ja selber nicht. Darum ist auch meine Hoffnung, dass die Motion Müller Philipp 19.3738 ein zweiter Schritt wird.

Die Quintessenz ist für mich klar: Ich werde dem indirekten Gegenvorschlag zustimmen. Ich werde aber auch in der Minderheit meiner Fraktion sein und die Volksinitiative zur Annahme empfehlen, weil diese die Bedürfnisse dieser neuen Generation mit anderen Ansprüchen an die Lebensqualität, als wir sie hier drin haben, aufgreift.

Ich bitte Sie, das Gleiche zu tun, erwähne aber nochmals: Ich bin in der Minderheit meiner Fraktion. Aber ich betone ganz klar, dass ich ein Vertreter einer gesellschaftsliberalen Politik bin.