Masshardt Nadine · Nationalrat · 2019-09-11
Masshardt Nadine · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-09-11
Wortprotokoll
Vor drei Monaten - am 14. Juni - sind eine halbe Million Frauen und Männer auf die Strasse gegangen. Sie haben gezeigt: Gleichstellung ist noch immer ein hochaktuelles politisches Anliegen. So sind beispielsweise noch immer Frauen hauptsächlich für die Erziehung der Kinder verantwortlich. Noch immer leisten Frauen den allergrössten Teil der unbezahlten Arbeit - ob in der Kinderbetreuung oder in der Pflege der Angehörigen. Noch immer verdienen Frauen weniger als Männer für die gleiche Arbeit. Noch immer erhalten Frauen tiefere Renten. Und last, but not least leiden noch immer viele Mütter unter der fehlenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht Väter und Mütter an. Es reicht nicht, einfach den Frauen einen Mutterschaftsurlaub zu gewähren; die Erziehungs- und Familienarbeit soll von beiden Elternteilen wahrgenommen werden können. Deshalb braucht es neben dem Mutterschaftsurlaub eben auch einen Vaterschaftsurlaub.
Für die SP ist auch bereits klar, wie die Lösung dazu aussehen muss: Beide Elternteile sollen nach der Geburt eine Elternzeit von je 14 Wochen erhalten. Zusätzlich sollen beide Elternteile danach zusammen Anspruch auf mindestens 10 Wochen Elternzeit haben. Dieses Modell, das auf einem Vorschlag der Eidgenössischen Kommission für Familienfragen basiert, ist in der aktuellen Zusammensetzung dieses Rates jedoch leider nicht mehrheitsfähig. Deshalb haben die Initiantinnen und Initianten der Vaterschaftsurlaubs-Initiative bereits einen Kompromiss ausformuliert und fordern einen Vaterschaftsurlaub von lediglich 4 Wochen. Die SP ist bereit, sich hinter diesen Kompromiss zu stellen. Nun ist dieser Kompromiss von der SGK jedoch bereits weiter auf gerade mal noch 2 Wochen Vaterschaftsurlaub abgeschwächt worden. Das ist im Vergleich zu heute zwar noch immer ein Fortschritt - Väter in der Schweiz haben ja derzeit nur einen einzigen Tag frei bei der Geburt ihres Kindes und damit gleich viel wie für einen Umzug. Das muss man sich auch immer wieder vergegenwärtigen. Da zieht die SP 2 Wochen einem einzigen Tag natürlich vor. So pragmatisch sind wir.
Wer wirklich eine echte Elternzeit will, um so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, der darf nach der Vaterschaftsurlaubs-Initiative dann hoffentlich schon bald die Elternzeit-Initiative unterstützen, denn ich beobachte mit Freude, dass eine echte Elternzeit, die diesen Namen auch wirklich verdient, gerade in meiner Generation immer mehr Zuspruch erhält. Heute wollen viele junge Familien die Familien- und Erwerbsarbeit möglichst partnerschaftlich aufteilen, und da ist eine Elternzeit nicht nur gut für das kleine Kind, sondern auch ein sehr guter Start in eine neue, gleichberechtigte Lebensphase als Familie.